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Erst impfen lassen und dann zur Fußballparty : Ungeimpfte mit EM-Tickets zu ködern ist absurd

London greift zu seltsamen Mitteln, um Impfverweigerer zu überzeugen. Der Mix aus Corona-Prävention und Massenveranstaltung ist absurd. Ein Kommentar.

Erst impfen lassen und dann zur Fußballparty : Ungeimpfte mit EM-Tickets zu ködern ist absurd

Bei den Halbfinalen und beim Finalspiel sollen 60.000 Menschen anwesend sein.Foto: dpa/ Christian Charisius

So eine Impfung gegen das Coronavirus kann ein paar Nebenwirkungen mit sich bringen. Auch schon bei der ersten Dosis. In jedem Fall raten Ärzt:innen, nach dem Stich in den Arm nicht voll durchzustarten und den Köper nicht zu großen Strapazen auszusetzen.

Alkohol oder starke körperliche Betätigung zum Beispiel sind eher kein probates Mittel, um den nach der Impfung geschwächten Menschen zu schonen. Aber wie wäre es zum Beispiel mit einem erholsamen Besuch im knackvollen Fußballstadion? Also erst impfen und dann in der Masse mit 60.000 Gleichgesinnten aktive Entspannung betreiben?

Dieses Angebot gibt es nun in London von höchster Stelle. Bürgermeister Sadiq Khan will mit einer Verlosung von Tickets für das Finale der Europameisterschaft die Impfbereitschaft im Volk ankurbeln. Unter den Menschen Londons, die bis Donnerstag ihre erste Impfdosis bekommen oder bis dahin einen Impftermin buchen, werden zwei Karten für das Endspiel in Wembley verlost.

„Ein glücklicher Londoner und sein Gast werden eingeladen, das Finale in Wembley als Geste des Bürgermeisters zu sehen“, heißt es aus dem Rathaus. Klingt verlockend und es wäre demnach auch möglich, den Impftermin auf den Sonntag zu terminieren. Nachmittags ins Krankenhause und dann schnell zum Spiel. Vielleicht gibt es, für den schlimmsten Fall, auch noch einen Platz auf der Intensivstation inklusive.

[Lesen Sie hier alle wichtigen Entwicklungen der EM im Tagesspiegel-Liveblog]

Wer bei der Impfticket-Nummer leer ausgeht, der kann übrigens noch auf die Fanzone hoffen am Trafalgar Square. Für alle, die in sozialen Medien ihre Impfung posten, sollen sich die Gewinnchancen verdoppeln. Das Londoner Modell könnte wegweisend sein, ein bunter Mix aus Corona-Prävention und Massenveranstaltung vereinen sich hier zu einer interessanten Melange, nur Spielverderber fürchten, dass ihr Geschmack im Abgang womöglich bitter sein kann.

Ganz im Ernst: Die Verzweiflung, die Impfverweigerer zu überzeugen, lässt sie in London nun zu absurden Mitteln greifen. In der Tradition der Bollchen-Pädagogik – erst lasst ihr euch impfen, liebe Kinder, und danach gibt es ’ne fette Fußballparty. Das Londoner Modell ließe sich beliebig ausbauen. Man könnte auch Steuererleichterungen oder ein Elektroauto ausloben für eine Impfung –wäre übrigens beides für die Gewinner:innen unbedenklicher als ein Besuch im vollen Wembleystadion.

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