The latest news, top headlines

Einbetonierter Atomschrott in Berlin-Wannsee : Bund und Landesregierung streiten um Forschungsreaktor-Rückbau

Vor 50 Jahren wurde der Forschungsreaktor BER I in Wannsee nach einem Störfall stillgelegt. Jetzt streiten Bund und das Land Berlin um die Kosten des Rückbaus.

Einbetonierter Atomschrott in Berlin-Wannsee : Bund und Landesregierung streiten um Forschungsreaktor-Rückbau

Der Forschungsreaktor BER II – Nachfolger des BER I – wurde 2019 abgeschaltet.Foto: dpa

Die Bundesregierung und das Land Berlin streiten um den Rückbau des Forschungsreaktors BER I auf dem Gelände des Helmholtz-Zentrums Berlin (HZB) in Wannsee. Jan Thomsen, Sprecher der Berliner Umweltverwaltung, sagte dem Tagesspiegel-Newsletter Checkpoint: „Ein Rückbau der Reaktorreste des BER I zusammen mit der Stilllegung und dem Rückbau des BER II ist derzeit nicht vorgesehen.“

Hintergrund ist ein jahrelanger Streit darüber, wer die Kosten für den Rückbau des vor Jahrzehnten stillgelegten Reaktorblocks BER I übernimmt. Dieser schwelt trotz des nun geplanten Rückbaus des Forschungsreaktors BER II weiter.

Der Reaktor BER I wurde schon vor rund 50 Jahren nach einem Störfall stillgelegt. Die Brennstäbe wurden damals entfernt, die kontaminierten Reaktorreste mit Beton abgeriegelt – ein sogenannter sicherer Einschluss. Wer später für den Rückbau verantwortlich ist, wurde nicht geklärt.

Die Räumlichkeiten wurden damals in die vom HZB betriebene Zentralstelle für radioaktive Abfälle des Landes Berlin überführt. Die Sicht des Landes: Weil das HZB zu 90 Prozent in Bundeshand und nur zu zehn Prozent in Landeshand ist, soll der Bund für den Rückbau zuständig sein. Die Sicht des Bundes: Die Zentralstelle für radioaktive Abfälle ist in Landeshand, also ist Berlin zuständig.

Konkrete Abbaupläne für den Reaktor existieren noch nicht

Schon 2018 hat sich der Senat wegen des Rückbaus an das womöglich zuständige Bundesforschungsministerium gewandt. Denn seit 2019 ist auch der Nachfolgeforschungsreaktor BER II im Rahmen des Atomausstiegs abgeschaltet worden. Der Senat argumentiert, dass „eine Verknüpfung des Rückbaus von BER II und BER I in jedem Fall die effizientere und auch aus Sicht des Strahlenschutzes sinnvollere Lösung darstellt“, wie Sprecher Jan Thomsen schreibt.

Diese Haltung habe man gegenüber dem HZB und dem Forschungsministerium per Brief kommuniziert. Doch seither gibt es keine Bewegung in der Sache. „Eine abschließende Positionierung des zuständigen Ministeriums hierzu erfolgte unserer Kenntnis nach bislang nicht“, schreibt Thomsen. Zuständig wäre die neue Forschungsministerin Bettina Stark-Watzinger von der FDP.

[Wenn Sie alle aktuellen Nachrichten live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können.]

Zumindest das HZB geht nun einen Schritt voran: Für eine mögliche Demontage von BER I soll erstmals eine Kostenaufstellung für den Rückbau erfolgen. Konkrete Abbaupläne existieren nach Tagesspiegel-Informationen aber weiterhin nicht. Dafür wäre erst eine politische Einigung notwendig, wer für den einbetonierten Atomschrott zuständig ist. Das ist umso kurioser, als der Prozess für den Rückbau des Forschungsreaktors BER II schon mehrere Schritte weiter ist – hier wurde der Rückbauantrag schon gestellt. Aber auch das wird Jahrzehnte dauern.

Die ehemaligen Forschungsanlagen des HZB sind kerntechnische Anlagen. Sie sind aber nur bedingt mit Atomkraftwerken vergleichbar. Der BER II etwa hat knapp ein Prozent der Leistung eines Kraftwerks. In beiden Reaktoren wurde Materialforschung betrieben. So wurde hier unter anderem ein versteinerter Saurierschädel mit Neutronen durchleuchtet oder ein altes Gemälde von Tizian.

Der neue Morgenlage-Newsletter: Jetzt gratis anmelden!

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.