The latest news, top headlines

Dieter Schwarz beurlaubt seinen Vize : Lidl und Kaufland verlieren ihren langjährigen Chef

Die Schwarz-Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören, verliert ihren Chef Klaus Gehrig. Grund dafür soll ein Streit über Personalien sein.

Dieter Schwarz beurlaubt seinen Vize : Lidl und Kaufland verlieren ihren langjährigen Chef

Die Schwarz-Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören, gilt als äußerst verschwiegen.Foto: PNN / Ottmar Winter

Klaus Gehrig ist nicht mehr Chef der Schwarz-Gruppe. Der langjährige Chef des Unternehmens, zu dem die beiden Supermarkt-Ketten Lidl und Kaufland gehören, wurde von Inhaber Dieter Schwarz beurlaubt. Das geht aus einem internen Schreiben an die Mitarbeiter hervor, das dem Tagesspiegel vorliegt. Gehrig habe sein Mandat daraufhin niedergelegt, weil er sich bezüglich einer für ihn sehr wichtigen Personalie nicht mit dem Inhaber einigen konnte, heißt es dort zur Erklärung.

Dieter Schwarz, der mit den beiden Supermarkt-Ketten zum reichsten Menschen Deutschlands aufstieg, übernimmt damit kommissarisch die Leitung seines Unternehmens. Der 81-Jährige soll allerdings schnellstmöglich von Gerd Chrzanowski abgelöst werden, der derzeit Vorstandsvorsitzender von Lidl ist.

Streit um eine junge Managerin

Am Freitagmittag fand eine Sondersitzung des Vorstands statt, in der das weitere Vorgehen beraten werden sollte. Die weitere Zusammenarbeit mit Gehrig soll in einem weiteren Gespräch geklärt werden, wie es in dem Schreiben an die Mitarbeiter heißt. Schwarz dankte Gehrig des weiteren für die „großartige Aufbauleistung der vergangenen Jahre“. Das Verhältnis sei weiter „ungetrübt“.

Die Personalie, um die es im Streit zwischen Gehrig und Schwarz gehen dürfte, ist wohl Melanie Köhler. Gehrig hatte die 30-Jährige 2016 zur Schwarz-Gruppe geholt und zur Vorstandsvorsitzenden der Schwarz Dienstleistungen und Mitglied der Gesellschaftsversammlung der Schwarz Unternehmenstreuhand gemacht. Sie sammelte daraufhin zahlreiche andere junge, weibliche Führungskräfte in Top-Positionen um sich und galt als Ziehtochter von Gehrig. Dem Inhaber gegenüber trat sie Insidern zufolge resolut auf.

Vom Familienunternehmen zum Milliardenkonzern

Damit galt Köhler auch als Anwärterin auf Gehrigs Nachfolge, denn der 75-Jährige wollte die Leitung der Schwarz-Gruppe in zwei Jahren ohnehin abgeben. Ende Juni gab die Schwarz-Gruppe allerdings bekannt, dass Köhler das Unternehmen verlassen werde. Schon das galt als empfindliche Niederlage Gehrigs.

Der Führungswechsel beim Handelskonzern aus Neckarsulm ist ein Paukenschlag und kommt in dem als äußerst verschwiegen geltendem Unternehmen überraschend. Gehrig hatte seit Jahren als Vertrauter von Dieter Schwarz nahezu unbegrenzte Macht in dem Konzern. Er war 1976 von Aldi zu Lidl gewechselt und hatte die Leitung der 33 Lidl-Filialen des damaligen Jungunternehmers Dieter Schwarz übernommen. Gemeinsam machten die beiden Männer aus dem Familienunternehmen ein Milliarden-Imperium, das im vergangenen Jahr einen Rekordumsatz von 125 Milliarden Euro erzielte.

Dabei profitierte der Konzern einerseits von der Corona-Pandemie, die vielen Supermärkten einen Aufschwung brachte. Andererseits treibt die Schwarz-Gruppe aber auch ihre starke Expansionspolitik konsequent voran, mit der sowohl Lidl als auch Kaufland in den vergangenen Jahren diverse Länder neu erschlossen. Als Problemfeld gilt der Bereich der Digitalisierung. So haben beiden Supermärkte keine Lieferdienste oder Onlineshops mit frischen Lebensmitteln. Auch deshalb setzt Dieter Schwarz allerdings seine Hoffnung in Chrzanowski. Er gilt als Stratege, der kompromisslos auf Digitalisierung setzt.

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.