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DGB-Bundeskongress in Berlin eröffnet : Steinmeier spricht von „Epochenbruch“

Der Krieg prägt den Beginn des fünftägigen Kongresses. Bundespräsident würdigt Reiner Hoffmann, der nach acht Jahren an der DGB-Spitze in Rente geht.

DGB-Bundeskongress in Berlin eröffnet : Steinmeier spricht von "Epochenbruch"

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach am Sonntag bei der Eröffnungsveranstaltung des Bundeskongresses des Deutschen…Foto: dpa

Im Rahmen der Eröffnungsfeier von Gewerkschaftskongresses sorgen kulturelle Darbietungen für erbauliche Momente. In Kriegszeiten ist das schwierig. Am Sonntagmittag stimmte zum Auftakt des DGB-Bundeskongresses in Berlin ein Chor ein Lied an über den nächsten Krieg, „der der letzte sein wird“. Und ein alter Friedenssong von Hannes Wader wurde angespielt, in dem folgende Zeilen auftauchen: „Auf deinem Kreuz finde ich, toter Soldat, Deinen Namen, und jemand hat die Zahl 1900 und 16 gemalt, und du warst nicht einmal 19 Jahre alt. Ja auch dich haben sie schon genauso belogen, so wie sie es mit uns heute immer noch tun.“ Am Ende der Eröffnungsfeier hielten sich die knapp 400 Delegierten und einige prominenter Gäste an den Händen und intonierten gemeinsam We shall overcome. Auch Frank-Walter Steinmeier.

„Tag der Befreiung, Tag des Krieges“

„Herr Bundespräsident, Sie waren und Sie sind uns immer ein willkommener Gast“, begrüßte der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann das Staatsoberhaupt. Steinmeier spannte dann einen Bogen vom Ende des 2. Weltkriegs bis zum Angriff Russlands auf die Ukraine, der einen „Epochenbruch“ bedeute. Der 8. Mai 1945 sei ein „Tag der Dankbarkeit und Tag der Befreiung“ gewesen; der 8. Mai 2022 „ein Tag des Krieges“. Aufgrund der historischen Strahlkraft dieses Datums müsse man an diesem Tag auf den „zynischen und perfiden Missbrauch der Geschichte“ durch Putin hinweisen.
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Es sei an der Zeit, so fuhr Steinmeier fort, die neuen Realitäten und das „Ende alter Gewissheiten“ zu erkennen und zu akzeptieren. Er sprach die Angst an, die Bundesrepublik könnte in den Krieg hineingezogen werden, und warb in dem Zusammenhang für eine kontroverse Debatte auch über Waffenlieferungen. „Das macht unsere Demokratie aus.“ Er wünsche sich einen Diskurs, in dem andere „nicht verächtlich gemacht werden“.

Globalisierung im Umbruch

Steinmeier adressierte die Arbeitnehmervertreter, indem er auf die Lasten von Pandemie und Krieg einging. Ängste vor Inflation, Rezession und Verlust des Arbeitsplatzes seien verbreitet, die globale Arbeitsteilung stehe vor einem „Umbruch“, Lieferketten seien „schwer gestört“. „Nicht allein der günstigste Preis auf den Weltmärkten darf darüber entscheiden, mit wem man Geschäfte macht“, sagte der Bundespräsident und bekam starken Applaus. Wenn Europa „als Produktionsstandort neu entdeckt wird“, wie Steinmeier meinte, dann ist das ganz im Sinne der Gewerkschaften.

DGB-Bundeskongress in Berlin eröffnet : Steinmeier spricht von "Epochenbruch"

Reiner Hoffmann und seine designierte Nachfolgerin Yasmin Fahimi am Sonntag beim Auftakt des DGB-Kongresses.Foto: dpa

Der Bundeskongress des DGB, auch Parlament der Arbeit genannt, findet alle vier Jahre statt. Dieses Mal lautet das Motto „Zukunft Gestalten Wir“. Bei der Transformation zu einer klimaneutralen Wirtschaft komme es auch darauf an, die Schwächsten mitnehmen, meinte der Bundespräsident. Andernfalls bekämen „populistische Strömungen“ wie die AfD noch mehr Zulauf.
Die Gewerkschaften haben „erfolgreich gestritten für bessere Löhne und die Erhaltung sozialer Standards“, sagt Steinmeier und lobte die Arbeit von Reiner Hoffmann, der acht Jahre den DGB geführt hatte. „Der DGB steht geschlossener da als zu anderen Zeiten.“ Hoffmann sei ein Brückenbauer erster Güte gewesen. „Lieber Reiner, im Namen unseres ganzen Landes, herzlichen Dank.“

Yasmin Fahimi folgt auf Reiner Hoffmann

Der Sonntag war der letzte Arbeitstag Hoffmanns, an diesem Montag soll Yasmin Fahimi als erste Frau an die Spitze des Dachverbandes gewählt werden. Fahimi, t Bundestagsabgeordneter der SPD, war kurzzeitig Generalsekretärin der Partei und hat viele Jahre für die IG BCE gearbeitet. Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) sprach ein Grußwort auf dem Kongress und lobte das „starke Signal“, das von einer DGB- Vorsitzenden ausgehe.

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