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Deutsches Eishockeyteam bei Olympia : Es braucht keine Monster, aber mehr Hits

Volles Leid auf kleiner Fläche: Warum die leidvolle Niederlage gegen Kanada im weiteren Turnier wertvoll für das deutsche Eishockeyteam werden kann.

Deutsches Eishockeyteam bei Olympia : Es braucht keine Monster, aber mehr Hits

Wimmelbild aus dem Herrensport. Kanada in schwarz und Deutschland in weiß im Streit um eine kleine Scheibe.Foto: dpa

Es war die spielentscheidende Szene beim ersten Auftritt der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft im olympischen Turnier bei den Winterspielen von Peking: Der Angriff des Kanadiers Eric O’Dell gegen Verteidiger Marco Nowak in der vierten Spielminute. Der Deutsche sah den anbrausenden Gegner nicht kommen, hatte seinen Kopf unten kurz nachdem er abgespielt hatte und landete nach einer heftigen Attacke auf dem Eis. Kurze Zeit später stand es 1:0 für Kanada. Und was in der Heimat des Eishockeys dann als spielentscheidender „Monster Hit“ (so titelte der TV-Sender „Sportsnet“ auf seiner Homepage) belustigt abgefeiert wurde, wurde von einigen Menschen auf der anderen Seite des Atlantiks als eine Attacke gesehen, die die Schiedsrichter auch hätten ahnden können.

Aber das ist letztlich wenig überraschend. Dass zwischen Nordamerikas und Europas Eishockey schon mal Welten liegen können und während es in Deutschland nach so einem Crash auch interessiert, wie es dem Opfer nach so einer Attacke gegen die Gesundheit geht (Nowak konnte nicht mehr weiterspielen), wird spielentscheidende Härte in Nordamerika im Eishockey zuverlässig abgefeiert. Das war ja auch irgendwie clever, zumal kurz vor dem Tor auch noch Torwart Mathias Niederberger der Schläger von einem Gegenspieler aus der Hand gekloppt wurde.

Gegen China sollte nun das Gelernte umgesetzt werden

Tatsächlich aber hat sich nach dem Angriff auf Nowak nicht einmal die deutsche Bank beschwert, offensichtlich waren die Spieler von Toni Söderholm in den ersten zehn Minuten des Spiels vom Gegner beeindruckt und so stand es dann nach eher mauer Arbeit im eigenen Drittel schnell 0:3 und am Ende 1:5 aus deutscher Sicht.

Das deutsche Spiel war oft zu unorganisiert, hatte ein schwaches Powerplay und lange keine probaten Mittel auf der kleinen Eisfläche mit den aus Nordamerika bekannten Maßen, auf dem kleinen Eis wird eben mehr gerumpelt als gespielt – das hätten die deutschen Profis zumindest aus Schwenningen kennen können, dort wird ja inzwischen in der Deutschen Eishockey-Liga auch auf kleinem Eis gespielt. Und es könnte ja noch oller kommen für Freunde gepflegten europäischer Kombinationen: Der Weltverband erwägt ja auch bei Weltmeisterschaften künftig auf kleiner Fläche spiele zu lassen und da die National Hockey-League (NHL) weltweit das Geschehen im Eishockey diktiert wird es so kommen.

Für das deutsche Team allerdings kann die erste Niederlage im ersten Spiel auch Gutes bedeuten. Jetzt sollte allen klar sein, wie auf weniger breiter Eisfläche gespielt werden kann. Söderholms Mannschaft kam schließlich schon ab dem zweiten Drittel gegen schnelle und nicht nachlassende Kanadier besser ins harte Spiel. Der Lerneffekt sollte dann im optimalen Fall schon im zweiten Gruppenspiel gegen China am Samstagmorgen deutscher Zeit (9.45 Uhr) angewandt werden, denn dieser Gegner spielt ja zu zwei Dritteln mit Profis, die ihr hartes Handwerk in Nordamerika gelernt haben.

Da die Chinesen gegen die USA beim 0:8 allerdings hoffnungslos unterlegen waren, sollte und müsste für die Deutschen da auch der erste Sieg drin sein – mit harten und fairen „Hits“. Die „Monster“ können ja in Kanada bleiben.

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