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Der Profifußball steht zu Unrecht am Pranger : Liga der Impfverweigerer? Nein!

Sonderfälle wie Markus Anfang oder Joshua Kimmich und die anderen ungeimpften Spieler des FC Bayern verklären die Situation im deutschen Profisport. Eine Position.

Der Profifußball steht zu Unrecht am Pranger : Liga der Impfverweigerer? Nein!

Der Profisport übernimmt Verantwortung. Wie Hertha BSC (im Bild) haben viele Klubs aus der Fußball-Bundesliga ihren Fans…Foto: imago

Zugegeben, die Geschichte um Markus Anfang ist zu absurd, um nicht die vom Virus geplagte Gesellschaft und ihre Debatten anzuheizen. Auch wenn der nun demissionierte Trainer des Fußball-Zweitligisten Werder Bremen noch nichts zugegeben hat, so wird es mit der Unschuldsvermutung im Fall Anfang für die Menschen im Lande verdammt schwer. Ein Impftermin in Köln während der Mann im Trainingslager in Österreich war, der wäre wohl nur mit übermenschlichen Fähigkeiten wahrzunehmen gewesen für Anfang. Zudem stimmt laut Gesundheitsamt eine Chargennummer im Impfpass nicht, die Bundespolizei Bremen bezeichnet sie laut als „Fälschung“. Womöglich hat Markus Anfang großen Aufwand betrieben, um sich den getarnten Impfschutz zu holen.

Andere geben sich die Mühe nicht: Angefangen bei Nationalspieler Joshua Kimmich sind es beim FC Bayern nun aktuell schon fünf Spieler, die als Ungeimpfte in Quarantäne sind und auch auf ihr Geld verzichten müssen, weil sie ihrem Arbeitgeber nicht zur Verfügung stehen können. Nicht nur das, sie stehen am Pranger: Als schlechte Vorbilder, nicht wenige Politikerinnen und Politiker fordern eine Impfpflicht für die Profis und zudem gerät die Fußball-Bundesliga ins schräge Licht. Allerdings völlig zu Unrecht: Denn die Impfquote in der Liga ist allgemein höher als in der Gesamtbevölkerung. Das Etikett einer Liga der Impfverweigerer wäre ein falsches, dies gilt auch für den gesamten Profisport.

Viele Klubs im Profisport sind komplett durchgeimpft
Zahlen belegen dies. In der Bundesliga sind mehr als 90 Prozent aller Spieler geimpft. Von Klubs wie dem FC Augsburg ist bekannt, dass von den Angestellten auf der Geschäftsstelle über die Mannschaft bis hin zu den Betreuern alle geimpft sind. In anderen Profisportarten in Deutschland ist die Zahl der Geimpften nach Angaben aus den höchsten Ligen noch höher. Im Basketball kratzt sie angeblich die 100 Prozent bei den Spielern, in der Handball-Bundesliga sind laut Angaben eines Insiders nur drei Spieler und ein Betreuer nicht geimpft, in der Deutschen Eishockey-Liga sieht es ähnlich aus. Die Quote liegt dort angeblich bei weit über 90 Prozent, die Teams aus Berlin und Ingolstadt sind, wie beim FC Augsburg, alle geimpft. Zum Vergleich: in der Gesamtbevölkerung hatten (Stand Montag) 68 Prozent der Bevölkerung beide Impfungen erhalten. In der Gruppe der 18- bis 59-Jährigen, in die Spieler, Trainer und Betreuer im Fußball im Wesentlichen eingerechnet werden müssen, liegt die Zahl im Lande (Stand Montag) bei 73,3 Prozent – also auch klar unter Bundesliga-Niveau.

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Sicher, und da beginnt die Krux für viele, tummeln sich Profisportler in einem glamourösen Beruf. Und obwohl sie nicht alle studiert haben (sic), wird von ihnen eben auch ein gewisses Sendungsbewusstsein erwartet. Aber dem ist Joshua Kimmich – unabsichtlich sicher – nachgekommen. Kimmich ist „kein schlechtes Vorbild“, sondern der Fußball-Nationalspieler ist ein gutes Beispiel oder auch prima Vorbild dafür, wie man es nicht machen sollte, wenn man seinen Beruf noch ausüben will, dafür Geld bekommen und von seinem Arbeitgeber nicht rauf und runter kritisiert werden möchte.

Nach dem Motto: Okay, Boss. Wenn Du mir das Geld wegnimmst, mich fortwährend runterputzt und mich dafür nicht mehr arbeiten lässt, dann will ich gerne Vorbild für die Herde der Versprengten sein. Wer bitte schön, orientiert sich jetzt am Beispiel Kimmich und macht es nach? Nach der aktuellen Entwicklung noch weniger Menschen.

So lange es keine Impfpflicht gibt, kann man niemanden zwingen

Unbenommen, so wie sich die Entwicklung gerade darstellt, ist es unverantwortliche, ungeimpfte Spieler auf den Platz zu schicken. Doch so lange es keine Impfpflicht gibt, kann man sie nicht zwingen, sich impfen lassen. Aber es ist eben nicht die große Masse der Sportlerinnen und Sportler, die „Angst vor dem Piks“ haben. Es gibt einige Sonderfälle und die sind bei genauer Betrachtung sogar hilfreich, weil sie insgesamt das Thema Impfen befeuern, weil sie nun viele Befürworter dieser Schutzmaßnahme zu Wort kommen lassen. Auch im Umfeld des FC Bayern München, von Karl-Heinz-Rummenigge bis hin zum unverwüstlichen Paul Breitner, der ungeimpfte Spieler sofort „wegschicken würde“. Denn sich nicht impfen zu lassen, das sei „potenzielle, vorsätzliche Körperverletzung“, sagte Breitner kürzlich im Fernsehen.
Und so schließt sich der Kreis zu Markus Anfang, der am Ende womöglich auch mit seiner Impfnummer der breiten Öffentlichkeit gezeigt hat, wie es eben nicht läuft. Schummeln lohnt sich ja auch im Sport nicht.

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