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Der neue Otto-Film „Catweazle“ : Wenn Babyboomer die Helden ihrer Kindheit feiern

Rücksturz in die Siebziger: Otto Waalkes lässt den skurrilen Zauberer Catweazle wiederauferstehen. In einem Familienfilm mit Monty-Python-Mittelalter.

Der neue Otto-Film "Catweazle" : Wenn Babyboomer die Helden ihrer Kindheit feiern

Magie katapultiert Catweazle (Otto Waalkes) aus dem Mittelalter in die Gegenwart.Foto: Tobis

Nervensägen, diese Babyboomer. Kleben an ihren Posten. Gehen als Musiker auf ewige Comebacktour. Und verstopfen Kino, Fernsehen, sprich die ganze Popkultur mit mäßig originellen Wiederauflagen ihrer Lieblingshelden aus den Sechzigern und Siebzigern. Mit dem Sticker „Kult“ beklebt, müssen Serienfiguren wie Lassie, Flipper und die Besatzung des Raumschiffs Enterprise als Medienuntote auf ewig weiterleben.

Jetzt hat es auch Catweazle erwischt. Den skurrilen Zauberer aus Britanniens Mittelalter, den seine Murxmagie auf der Flucht vor den Normannen urplötzlich in einen englischen Tümpel der Gegenwart katapultiert. Maschinen, Elektrizität, all die Selbstverständlichkeiten der modernen Welt versetzen Catweazle in Staunen.

Keine schlechte Idee, das Remake

1974 wurden die 26 vom kauzigen Humor und Anarcho-Appeal des Darstellers Geoffrey Bayldon getragenen Folgen im ZDF ausgestrahlt. Otto Waalkes und sein Stammregisseur Sven Unterwaldt – Boomer, was sonst – haben ihn wieder erweckt. Und was soll man sagen: gar keine schlechte Idee!

Um „Catweazle“ als lustige Familienunterhaltung anschauen zu können, braucht es keinerlei Nachhilfeunterricht von Oma und Opa. Nirgends sind Zeitreisende häufiger anzutreffen als im Film. Der Clash der Jahrhunderte erzeugt verlässlich Reibung.

Da funktioniert die Parodie eines tollpatschigen Merlin-Verschnitts in zerschlissener Druidenkutte, der in eine verblüffende „Anderswelt“ gerät, fast von selbst. Wobei Otto, der auch als Drehbuchautor mitgewirkt hat, den Magier längst nicht so hintergründig spinnert anlegt, wie der am Monty-Python-Humor geschulte Brite Bayldon.

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Der Python-Einfluss blüht am schönsten in der Gaga-Eingangsszene auf Burg Derwitte, die Witz und Timing hat. Außerdem befreit sie „Catweazle“ aus der frugalen Fernsehästhetik, macht zwar kein Harry-Potter-Abenteuer draus, aber trotzdem richtiges Kino. Mit fettem Besteck: Cinemascope, Königsschloss aus dem Computer, Tschingderassabum-Score, edler Lichtstimmung und liebevoll als Retro-Idyll ausstaffierten Settings.

Sei es jene Burg Derwitte, wo der Magier im Jahr 1020 vor den Fürsten zitiert wird, um „Licht au Nichts“ zu schaffen. Oder das gleichnamige Städtchen der Gegenwart, das pittoreske Feldsteinmauern und Fachwerkgassen zieren.

Dahin verschlägt es Catweazle, nachdem er den König mit Blödeltricks und dem Otto-Gag „Nichts aus Licht kann ich schon!“ verprellt hat. In einer super „Ritter der Kokosnuss“-Verfolgungsjagd mit gackernden Hühnern und quiekenden Ratten flieht der Zauberer vor den Wachen und springt mitsamt Zauberstab Anawandur und Kröte Kühlwalda von der Zinne. Ein Sprung, der mal eben tausend Jahre überwindet.

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Schlaflied für eine Kröte

In der Gegenwart freundet sich Catweazle – wie im Original – mit einem Jungen an, der als Halbwaise mit seinem spröden Vater zusammenlebt. Nur, dass aus der britischen Farm ein deutscher Tierpark geworden ist, in dem Benny (der süße Julius Weckauf aus „Der Junge muss an die frische Luft“) und sein Vater (Henning Baum) leben. Benny ist zwölf, gewieft, aber in der Schule ein Außenseiter. So wie Catweazle im digitalen Zeitalter.

Passt also, zumal der Zauberer ihn angesichts des elektrischen Lichts für einen mächtigen Zunftgenossen hält, „der die Sonne in ein Gefäß bannen kann“. Alsbald toben sie unterstützt von Bennys Mitschülerin Lisa los, um den Zauberstab von der skrupellosen Kunsthändlerin Dr. Katharina Metzler (Katja Riemann als böse Hexe vom Dienst) zurückzuerobern, damit der Magier heim ins Jahr 1020 zurückkehren kann.

Autos nennt er Feuerdrachen

Ein überschaubarer Plot, der von den Ulkmomenten lebt, die Catweazle angesichts eiserner Feuerdrachen (Autos) und heißer Quellen (Badewanne) verursacht. Etwas mehr zivilisationsbespiegelnde Blödelei hätten sich Unterwaldt und Waalkes allerdings vom Original abgucken können. Sie vernachlässigen Gags und Tempo zu Gunsten des Sentiments zwischen Vater, Sohn und Magier.

[„Catweazle“ läuft in 18 Berliner Kinos]

Dass Benny den Kauz vorn im Lastenfahrrad kutschiert, weckt nicht von ungefähr Erinnerungen an Spielbergs herzige Freundschaftssaga „E.T.“, die ebenfalls Grenzen zwischen Raum, Zeit und Generationen sprengt. Gegen die Nach-Hause-Telefonieren-Tränenzieher-Qualitäten des Hollywood-Aliens fällt Catweazles Begeisterung über Bennys „Elektriktrick“ leichtfüßig, geradezu kindlich aus.

Mehr Tiefgang lässt sich in des Zauberers Zuneigung für Kühlwalda hineinlesen. Vormoderne Menschen wussten eben noch, wie respektvoller Umgang mit der Natur geht. Catweazle singt der Kröte stets ein Schlaflied vor.

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