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Der DFB wählt einen neuen Präsidenten : Peter Peters gegen Bernd Neuendorf: Das ungleiche Duell um die Macht

Obwohl Bernd Neuendorf dem breiten Publikum noch unbekannt ist, gibt es kaum Zweifel, dass er an diesem Freitag zum neuen Präsidenten des DFB gewählt wird.

Der DFB wählt einen neuen Präsidenten : Peter Peters gegen Bernd Neuendorf: Das ungleiche Duell um die Macht

Diese Schmierereien an der DFB-Zentrale offenbaren eine tiefe Abneigung gegen den Verband und einige seiner führenden Vertreter.Foto: dpa

Das Aktuelle Sportstudio hat schon lange nicht mehr die Strahlkraft wie in früheren Jahrzehnten. Doch selbst wenn die Sendung inzwischen erst kurz vor Anbruch der Geisterstunde beginnt, so bleibt sie eine wichtige Plattform für Leute, die eine Botschaft platzieren wollen. Vermutlich hat das auch Peter Peters gedacht, der an diesem Freitag vom früheren Interims- zum ordentlichen Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gewählt werden möchte.

Knapp zwei Wochen ist es her, dass Peters im Sportstudio zu Gast war. Sollte er allerdings das Ziel gehabt haben, dort für sich und seine Positionen zu werben, dann ist das ordentlich in die Hose gegangen. Peters hinterließ weniger einen präsidialen als einen bemitleidenswerten Eindruck. Die Begrüßung des Moderators Jochen Breyer („Herzlich willkommen“) konterte er mit einem „Herzlich willkommen“, er wackelte hibbelig auf seinem Stuhl herum, wirkte fahrig und blieb auf konkrete Fragen nach seinem Programm maximal schwammig.

Peters’ Aussichten, zum DFB-Präsidenten gewählt zu werden, waren schon vorher nicht gut. Seit seinem Besuch im Sportstudio sind sie nicht mehr existent.

Der DFB wählt einen neuen Präsidenten : Peter Peters gegen Bernd Neuendorf: Das ungleiche Duell um die Macht

Seit dem Auftritt im Sportstudio sind die Chancen von Peter Peters nicht mehr existent, neuer DFB-Präsident zu werden.Foto: imago images/Martin Hoffmann

Das liegt daran, dass es am Freitag ein Novum in der 122-jährigen Geschichte des Verbandes geben wird. Der DFB ist dafür bekannt, dass strittige Themen vorab im Hinterzimmer ausgekungelt werden und im Plenum des Bundestages dann nur noch grüne Stimmkarten in die Höhe gereckt werden. An diesem Freitag in Bonn aber treten zum ersten Mal zwei Kandidaten in einer Kampfabstimmung um das Präsidentenamt an. Zum einen eben Peter Peters, 59 Jahre alt, früherer Finanzchef des FC Schalke 04. Und Bernd Neuendorf, 60, Präsident des Fußballverbands Mittelrheins, früher Journalist und Politiker.

Nicht mal Oliver Bierhoff kannte Neuendorf

Dem breiten Publikum ist Neuendorf noch weitgehend unbekannt. Selbst Oliver Bierhoff, als Manager der Nationalmannschaft Mitglied im DFB-Präsidium, musste im Herbst zugeben, er kenne den damals noch potenziellen Kandidaten gar nicht. An seiner Wahl zum Nachfolger des im Mai 2021 zurückgetretenen Fritz Keller bestehen trotzdem nicht die geringsten Zweifel. Die Unterstützung der sogenannten Amateurvertreter ist dem Kandidaten weitgehend sicher, auch der Berliner Fußballverband wird für ihn stimmen. Und selbst das Profilager steht keineswegs geschlossen hinter Peters. Der 1. FC Köln etwa hat bereits verkündet, er werde für Neuendorf stimmen.

Nachdem Peters als Kandidat vorgeschlagen worden war, schrieb „Der Spiegel“ süffisant: „Der Verband ist an Nieten gewöhnt – trotzdem regt sich Widerstand.“ Der Eindruck, dass Peters für das Amt nicht geeignet ist, hat seitdem eher zugenommen. In Vorstellungsrunden sei er aggressiv und inhaltlich wenig überzeugend aufgetreten, heißt es.

Und legendär ist auch Peters’ Besuch im Sport1-Doppelpass im vergangenen Herbst. Andreas Rettig, der frühere Vorstand der Deutschen Fußball-Liga (DFL), ließ sich telefonisch zuschalten und fragte: „Mich würde schon mal interessieren, was dich, Peter, für das Amt des Präsidenten qualifiziert. Die Tätigkeit bei Schalke 04 kann es ja nicht gewesen sein.“

Ein Vierteljahrhundert war Peters in Schalke für die Finanzen zuständig. Dass sich der Klub in dieser Zeit gefährlich nahe an den Rand des Ruins herangerobbt hat, ist natürlich nicht zuletzt ihm angelastet worden. Doch damit würde man Peters’ Einfluss wohl überschätzen. Entscheidend für den Niedergang war eher die Großmannssucht des Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies. Vor knapp zwei Jahren hat Peters seinen Posten als Finanzvorstand bei den Schalkern aufgegeben – aus freien Stücken, sagt er selbst. Weil Tönnies ihn habe loswerden wollen, behaupten seine Kritiker.

„Peter Peters repräsentiert den alten DFB“

In Schalke habe Peters immer den Ruf gehabt, er führe keinen Krieg, den er nicht gewinnen könne, sagt jemand, der ihn aus dieser Zeit gut kennt. Umso verwunderlicher ist seine Kandidatur für das Präsidentenamt beim DFB. Die Aussicht auf Erfolg war von vornherein minimal – auch wenn sich Peters als Erneuerer in dem von Streitereien und Intrigen gebeutelten Verband zu positionieren versucht. Ob ihm diese Rolle abgenommen wird, ist fraglich. „Peter Peters repräsentiert für mich ein Stück weit den alten DFB, von dem wir uns weitgehend trennen und lösen sollten“, sagt Bernd Schultz, der Präsident der Berliner Fußballverbands.

Anders als Peters, der als Vertreter der DFL jahrelang dem DFB-Präsidium angehört hat, ist Bernd Neuendorf von der zwielichtigen Vergangenheit eher unbeleckt. Erst seit 2019 ist er als Präsident des Verbandes Mittelrhein in leitender Funktion tätig. „Bernd Neuendorf will einen kompletten Neuanfang“, sagt Schultz. Frühere Weggefährten schildern den designierten DFB-Präsidenten als ruhig und überlegt, als wach und witzig. Die Aufgaben wären allerdings gewaltig: Der neue Präsident wird der fünfte in nur zehn Jahren sein. Genauso viele hatte der DFB auch in der Zeit vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis 2012.

Der DFB wählt einen neuen Präsidenten : Peter Peters gegen Bernd Neuendorf: Das ungleiche Duell um die Macht

Bernd Neuendorf muss sich erst noch profilieren.Foto: imago images/PR

Wie Peters, so hat auch Neuendorf, geboren in Düren, seine berufliche Laufbahn als Journalist begonnen. Er hat als Parlamentskorrespondent in Bonn gearbeitet – und wechselte später selbst in die Politik. Neuendorf war Sprecher der SPD, in einer Zeit, in der ein gewisser Olaf Scholz als Generalsekretär amtierte. Später wurde er Staatssekretär in Nordrhein-Westfalen. „Er ist sehr, sehr gut vernetzt“, sagt Bernd Schultz. Und vermutlich kennt er sich aus seiner Zeit in der Politik auch mit Intrigen ganz gut aus. Trotzdem meinen einige, dass er die Aufgabe im DFB womöglich unterschätze.

Neuendorfs wunder Punkt könnte Rainer Koch sein. Der 1. Vizepräsident des DFB ist für viele das personifizierte Böse. Erst in dieser Woche haben die drei früheren Präsidenten Theo Zwanziger, Reinhard Grindel und Fritz Keller die Delegierten aufgefordert: „Beenden Sie das System Koch und sorgen Sie für einen echten Neuanfang im DFB.“

Wird Rainer Koch weiterhin die Strippen ziehen?

Während Peters eine weitere Zusammenarbeit mit Koch ausschließt, hat Neuendorf eine solche Festlegung bisher vermieden.

Dies hat zu Mutmaßungen geführt, Koch werde weiterhin die Fäden ziehen, an denen dann künftig eben Neuendorf zapple. Getreu dem Motto: Mir doch egal, wer unter mir Präsident ist. „Wir leben eigentlich nicht mehr im Zeitalter der Mythen und Sagen“, hat Neuendorf dazu der „Frankfurter Rundschau“ gesagt. „Diese Berichte entbehren jeder Grundlage.“

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Tatsache aber ist: Neuendorf hat bereits erklärt, dass er die internationalen Posten, die der DFB gerade innehat, bis zum Ablauf der Legislatur in drei Jahren nicht neu besetzen wolle; Rainer Koch würde also Mitglied im Exekutivkomitee der Uefa bleiben. So wie Peter Peters seinen Posten im Fifa-Rat behalten dürfte.

Tatsache ist aber auch, dass Koch nicht mehr für das Amt des 1. Vizepräsidenten antritt und damit definitiv nicht mehr dem geschäftsführenden Vorstand angehören wird. Koch kandidiert nur noch für einen Posten als einfacher Vizepräsident – auf Vorschlag des Süddeutschen Verbandes, dem 45 Prozent der Mitglieder des DFB angehören. Ob Rainer Koch im Verband auch weiterhin über eine einflussreiche Stellung verfügen wird, entscheidet also weniger der künftige Präsident. Das entscheiden vor allem die Delegierten beim DFB-Bundestag.

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