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Berlin und der Ukraine-Krieg : Mindestens 100.000 Menschen bei Friedensdemo an der Siegessäule

Demonstranten vom Alexanderplatz bis zum S-Bahnhof Tiergarten + Allein 10.000 bei ukrainischer Demo + Fernzüge für Geflüchtete kostenlos + Der Berlin-Blog zur Ukraine.

Berlin und der Ukraine-Krieg : Mindestens 100.000 Menschen bei Friedensdemo an der Siegessäule

Unüberschaubare Massen an Menschen demonstrieren in Berlin für den Frieden – und gegen den russischen Angriff auf die Ukraine.Foto: Jonas Fedders

Der russische Angriff auf die Ukraine hat auch Folgen für Berlin – von einer Debatte im Abgeordnetenhaus bis hin zu Protesten auf der Straße, Solidaritätsaktionen und der Vorbereitung auf die Aufnahme von Flüchtlingen. Alles dazu im Newsblog. Weitere Reaktionen, Initiativen, News zum Beispiel aus der ukrainischen und russischen Community finden Sie in unseren Bezirksnewslettern „Tagesspiegel Leute“, die es hier kostenlos gibt.

Weitere Informationen:

  • Anlaufstellen und Initiativen: So können Sie Menschen in der Ukraine helfen.
  • Die Angst der Ukrainer in Berlin: „Ich weiß nicht, ob ich meine Eltern wiedersehe“
  • Das sagen Russen in Berlin: „Das ist ein einseitig vom Zaun gebrochener Krieg“
  • Wie erkläre ich meinem Kind den Krieg?: Eine Kinderpsychologin gibt Tipps.

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Berlin und der Ukraine-Krieg : Mindestens 100.000 Menschen bei Friedensdemo an der Siegessäule

Polizei schätzt bereits jetzt 100.000 Teilnehmer

Die Friedensdemo für die Ukraine in Berlin erlebt einen gewaltigen Andrang. Ein Sprecher der Berliner Polizei gab die Zahl der Teilnehmer eine halbe Stunde nach offiziellem Beginn der Kundgebung bereits mit rund 100.000 an. Für die offizielle Veranstaltungsfläche zwischen Großem Stern und Brandenburger Tor sprach er von einer „nahezu hundertprozentigen Auslastung“ unter Pandemiebedingungen – neben der Maskenpflicht soll auch Abstand gehalten werden. Die Polizei weise mit Durchsagen und anderweitig darauf hin.
Es gebe weiterhin einen starken Zustrom auf dem Boulevard Unter den Linden. Wahrscheinlich könne man diese Menschen gar nicht mehr durchs Brandenburger Tor auf die Straße des 17. Juni lassen, sondern werde die Veranstaltungsfläche erweitern müssen – womöglich bis zum Alexanderplatz, sagte der Sprecher. Nach Tagesspiegel-Informationen ist auch der Kreisverkehr am Großen Stern inzwischen in die Veranstaltungsfläche einbezogen worden, um Platz für die Menschenmassen zu schaffen. Wenig später eine weitere Polizei-Durchsage bei der Kundgebung: die Fläche wurde bis zum S-Bahnhof Tiergarten erweitert.
Nach Polizeiangaben begleiten rund 400 Einsatzkräfte die Demo – bisher verlaufe allerdings alles friedlich. Das gilt auch für die ukrainische Demo, die vom Neptunbrunnen losgezogen ist. Hier geht die Polizei von rund 10.000 Teilnehmern aus. Kein Beitrag vorhanden

„Wir müssen jetzt mit einer Stimme sprechen“

Auf der Demo sind auch einige estnische Flaggen zu sehen. An der Demo beteiligt sich auch Kristi aus Estland, 44, sie lebt seit August letzten Jahres in Charlottenburg. „Wir möchten zeigen, dass wir gegen die Aggression Putins und für Frieden und Freiheit in Europa sind“, sagt sie. „Wir müssen jetzt mit einer Stimme sprechen.“ Große Angst vor einer russischen Invasion im Baltikum habe sie nicht, sagt sie, sie seien ja Mitglied der NATO. „Aber man muss vorbereitet sein und mit allem rechnen.“ (Jonas Fedders)

Ambivalente Gefühle zu den Waffenlieferungen – „Mehr Waffen heißt wahrscheinlich auch mehr Leid“ 

Berlin und der Ukraine-Krieg : Mindestens 100.000 Menschen bei Friedensdemo an der Siegessäule

Nicola (l.)  und Kristina (r.)   Nicola, 44, und Kristina, 38, sind aus Hamburg angereist, um ein Zeichen zu setzen und um die eigene Ohnmacht gegenüber der Situation zu überwinden. Zu den beschlossenen Waffenlieferungen haben sie ambivalente Gefühle. „Mehr Waffen heißt wahrscheinlich auch mehr Leid“, sagt Kristina. „Aber zuzusehen, wie die Ukraine ausbluten würde, wenn sie sich nicht verteidigen könnte, ist auch nicht zu ertragen.“ Nicola sagt, sie sei froh, dass Russlands SWIFT-Ausschluss nun beschlossen sei. „Es war unangenehm, dass Deutschland das so lange blockiert hat.“ (Jonas Fedders)

„Auf der falschen Veranstaltung“ – Greenpeace-Vorstand Kaiser löst Verwunderung unter Demonstranten aus

Auf der Demonstration spricht auch Greenpeace-Vorstandsmitglied Martin Kaiser. Er sagt, auf der ganzen Welt seien seine Greenpeace-Kolleginnen und Kollegen „erschüttert“ über das was passiert. „Es zerreißt mir das Herz“, sagt Kaiser. Er wirbt dafür, gewaltfreie Lösungsmöglichkeiten zu nutzen. Als seine Rede allerdings mit dem Appell endet, „die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu reduzieren“, fragt sich einer der umstehenden Demonstranten, ob er „auf der falschen Veranstaltung“ ist. Kaiser „missbrauche“ die Demonstration und das Leid der Menschen „für seine politischen Ziele“, sagt ein anderer fassungsloser Zuhörer. Es gehe hier und heute „nicht um Klimapolitik sondern um einen Krieg“. (Susanne Vieth-Entus)

„Dogs against Putin“

„Die Masse der Demonstranten wurde so wohl von niemandem erwartet“, schreibt unser Reporter

„Wenn ich angegriffen werde, muss ich mich wehren können.“

Berlin und der Ukraine-Krieg : Mindestens 100.000 Menschen bei Friedensdemo an der Siegessäule

Bild: Jonas Fedders „Schröder und Schwesig sind Marionetten von Putin“, sagt dieser Mann aus Friedenau. „Ich finde es richtig, dass Deutschland Waffen liefert.“ Seiner Ansicht nach müssten noch viel mehr Waffen geliefert werden. „Wenn ich angegriffen werde, muss ich mich wehren können.“ (Jonas Fedders) Auf der ukrainischen Demo läuft auch ein selbst ernannter „antimilitaristischer Block“. Über ein Mikrofon verkündet ein Sprecher, sie protestierten hier für alle Menschen, die von Großmächten unterdrückt würden, auch gegen antirussische Ressentiments. Ein Mann mit polnischer Fahne schüttelt den Kopf: „Die verstehen nicht, was Angriffskrieg bedeutet.“ (Mascha Malburg)

Berlin und der Ukraine-Krieg : Mindestens 100.000 Menschen bei Friedensdemo an der Siegessäule

Bild: Mascha Malburg

Ukraine stimmt Friedensverhandlungen zu – Russland versetzt Abschreckungswaffen in Alarmbereitschaft

Und während der Friedensdemo diese beiden Meldungen aus Kiew und Moskau: Die Ukraine hat Friedensverhandlungen mit Russland zugestimmt. Eine russische und eine ukrainische Delegation würden sich an der ukrainisch-belarussischen Grenze treffen, teilte das Büro des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am Sonntag mit. Es gebe keine Bedingungen. Die russische Seite hatte zuvor auch ihrerseits ihre Bereitschaft signalisiert. Zugleich kündigte Präsident Wladimir Putin an, die Abschreckungswaffen der Atommacht in besondere Alarmbereitschaft versetzen zu lassen. Diese können auch Atomwaffen einschließen. tagesspiegel tagesspiegel Redner Christoph Bautz von Campact fordert Putin auf, „den brutalen Angriffskrieg zu stoppen.“ Zudem müsse es einen Importstopp für Gas, Öl und Kohle geben. „Raus aus der Abhängigkeit von Despoten“, lautete sein Appell. (Susanne Vieth- Entus)

Bilder von der Ukraine-Demo in Tiergarten

Berlin und der Ukraine-Krieg : Mindestens 100.000 Menschen bei Friedensdemo an der Siegessäule

Blick von oben: Gewaltiger Andrang herrscht bei der Friedensdemonstration für die Ukraine im Tiergarten.   Bild: Odd ANDERSEN / AFP

Berlin und der Ukraine-Krieg : Mindestens 100.000 Menschen bei Friedensdemo an der Siegessäule

Eine halbe Stunde nach offiziellem Beginn der Kundgebung gab die Polizei die Teilnehmerzahl bereits mit rund 100.000 an.   Bild: Odd ANDERSEN / AFP

Berlin und der Ukraine-Krieg : Mindestens 100.000 Menschen bei Friedensdemo an der Siegessäule

Nach Polizeiangaben begleiten rund 400 Einsatzkräfte die Demonstration.   Bild: Kay Nietfeld/dpa

Berlin und der Ukraine-Krieg : Mindestens 100.000 Menschen bei Friedensdemo an der Siegessäule

„Love not war“: Eine Demonstrantin protestiert in der Nähe des Brandenburger Tors mit Mundschutz.   Bild: Kay Nietfeld/dpa

Berlin und der Ukraine-Krieg : Mindestens 100.000 Menschen bei Friedensdemo an der Siegessäule

Demo-Teilnehmer an der Gedenkstätte für die getöteten sowjetischen Soldaten im Zweiten Weltkrieg.   Bild: Kay Nietfeld/dpa

„Reisefreiheit“ für Putin – aber keine freundliche Einladung

Berlin und der Ukraine-Krieg : Mindestens 100.000 Menschen bei Friedensdemo an der Siegessäule

Bild: Elisabeth Binder

„Es sind einfach zu viele Menschen geworden“ – Polizei leitet ukrainische Demo um 

Die Polizei hat die ukrainische Demo unter den Linden auf Höhe der Schlossbrücke gestoppt und leitet den Zug nun über den Lustgarten weiter Richtung Breite Straße. „Wir mussten die Demo umleiten, weil es einfach zu viele Menschen geworden sind“, sagte ein Polizist dem Tagesspiegel. „Es ist die Masse. Wenn einer hier Panik kriegt, können wir das nicht verantworten.“ (Mascha Malburg)

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Bild: Mascha Malburg

Zwölfjähriger gesucht – Schild: „Ich hasse Putin“

Wenn die Mutter bei Bombenalarm in den Keller muss

Tetyana Dumke-Olschanska ist mit ihrem Mann extra aus Magdeburg für die Demo nach Berlin gekommen. „Meine Mutter ist in Sumy in der Ukraine“, sagt sie. „Wenn es Bombenalarm gibt, sitzt sie manchmal fünf Stunden mit Angst im Keller.“ Sie freut sich, dass das russische Volk aufstehe, tausende Menschen trotz Repressionen gegen den Krieg demonstrierten. „Die Regierung von Putin ist längst tot“, sagt sie. „Der Krieg ist sein letzter Atemzug.“

„Beistandspflicht auch ohne Nato-Mitgliedschaft der Ukraine“

Diese beiden jungen Frauen haben sich ihre Plakate von Freunden, die Russisch können, übersetzen lassen. Sie stammen nicht aus der Ukraine und nicht aus Russland. Eine von beiden, 30 Jahre (rechts im Bild mit Brille), sagt: „Auch wenn die Ukraine nicht in der Nato ist, haben wir eine Beistandspflicht. Wir sind alle für Frieden, aber wir können nicht zu gucken, wie ein befreundetes Volk überrollt wird. Es ist unaushaltbar zu sehen, wie ein Autokrat wie Putin seine Machtgrenzen austestet.“ Die andere, 29, ergänzt: „Das betrifft uns alle. Es ist wichtig, unsere Solidarität zu zeigen“. (Susanne Vieth-Entus)

Berlin und der Ukraine-Krieg : Mindestens 100.000 Menschen bei Friedensdemo an der Siegessäule

Bild: Susanne Vieth-Entus Dieses Plakat tragen ein Vater, 40, und sein Sohn, 8, die aus dem Gebiet Chmelnyzkyj in der Ukraine stammen.

Berlin und der Ukraine-Krieg : Mindestens 100.000 Menschen bei Friedensdemo an der Siegessäule

Bild: Susanne Vieth-Entus

Luisa Neubauer: „In Situation der Erpressbarkeit hineinmanövriert“

Klimaaktivistin Luisa Neubauer sagte in ihrer Rede: „Ein kleiner Teil von mir dachte, dass Regierungen, die an der Klimakrise scheitern, wenigstens die Sicherheitspolitik im Blick haben.“ Stattdessen habe man sich in eine Situation der Erpressbarkeit hineinmanövriert. Bei Putins Einmarsch handele sich um einen „fossilen Krieg, finanziert von Ländern wie Deutschland.“ Klimagerechtigkeit und Frieden gehörten zusammen, sagte Neubauer. (Jonas Fedders)

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Luisa Neubauer bei ihrer Rede vor der Siegessäule    Bild: Jonas Fedders

Verkehrseinschränkungen wegen Ukraine-Demo in Mitte

Wegen der Ukraine-Demo kommt es heute zu größeren Sperrungen in Mitte. Auch BVG und S-Bahn sind betroffen. Wie der Verkehrsinformationszentrale (VIZ) mitteilte, sind folgende Straßen bis voraussichtlich 20 Uhr heute Abend gesperrt: die Straße des 17. Juni zwischen Brandenburger Tor und Großer Stern, die Ebertstraße zwischen Stresemann- und Behrenstraße, die Yitzhak-Rabin-Straße sowie der Pariser Platz inklusive Zufahrt Unter den Linden ab Wilhelmstraße. Es wird empfohlen, die Innenstadt weiträumig umfahren, etwa über die Stadtautobahn, teilte die VIZ mit. „Situativ kann es auch zu Schließungen von U-und S- Bahnhofzugängen im Nahbereich der Russischen Botschaft kommen.“
Auch bei der BVG und bei der S-Bahn gibt es wegen des Demonstrationsgeschehens in der Berliner Innenstadt Einschränkungen: Die U5 (Hauptbahnhof – Hönow) fährt ohne Halt am Bahnhof Brandenburger Tor durch. Auch die S-Bahnlinien S1, S2 und S25 halten nicht am Brandenburger Tor. Mehrere Buslinien sind unterbrochen oder werden umgeleitet, wie die BVG auf Twitter mitteilte. Betroffen sind die Linien 147, M48, M41, M85, 187, 106, 200 und 300, die Linie 100 fährt gar nicht.

„Heute geht es nicht ums Klima“

„Allein durch friedliche Mittel wird man einem solchen Aggressor wie Putin nicht gerecht. Bei aller Sympathie für Greenpeace: Heute geht es nicht ums Klima, heute geht es um die Freiheit in Europa“, sagt Simon Franz, 36, nach der Ansprache des Greenpeace-Vertreters am Großen Stern. Schröders Rolle in Russland hält er für eine „Schande“. (Susanne Vieth-Entus)

Berlin und der Ukraine-Krieg : Mindestens 100.000 Menschen bei Friedensdemo an der Siegessäule

Simon Franz    Bild: Susanne Vieth-Entus

„Macht die Heizung aus“ 

„Unsere Heizkosten fließen in Putins Kriegskasse“, sagt der 35-jährige Wilhelm Mirow aus Friedrichshain. Solidaritätsbekundungen und symbolische Gesten seien schön und richtig. Aber er fordert praktische Solidarität: „Macht die Heizung aus – zuhause, im Hörsaal, im Schloss Bellevue!“ (Jonas Fedders)

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Wilhelm Mirow aus Friedrichshain   Bild: Jonas Fedders Weitere Beiträge

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