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Berlin und der Ukraine-Krieg : Mehr als 1000 Menschen demonstrieren vor russischer Botschaft

Solidaritätskundgebung am Bebelplatz + Erneut 11.000 Menschen angekommen + Senat bereitet sich auf mehr unbegleitete Minderjährige vor + Der Berlin-Blog zur Ukraine.

Berlin und der Ukraine-Krieg : Mehr als 1000 Menschen demonstrieren vor russischer Botschaft

An mehreren Orten in Berlin finden an diesem Sonntag erneut Demonstrationen und Solidaritätskundgebungen statt.Foto: REUTERS

Der russische Angriff auf die Ukraine hat auch Folgen für Berlin – von Protesten auf der Straße, Solidaritätsaktionen und der Vorbereitung auf die Aufnahme von Flüchtlingen. Alles dazu im Newsblog.

Weitere Reaktionen, Initiativen, News zum Beispiel aus der ukrainischen und russischen Community finden Sie in unseren Bezirksnewslettern „Tagesspiegel Leute“, die es hier kostenlos gibt.

Weitere Informationen:

  • Anlaufstellen und Initiativen: So können Sie Menschen in der Ukraine helfen.
  • Wie erkläre ich meinem Kind den Krieg?: Eine Kinderpsychologin gibt Tipps.

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Berlin und der Ukraine-Krieg : Mehr als 1000 Menschen demonstrieren vor russischer Botschaft

Mehrere Demonstrationen am Sonntag in Berlin gegen den Krieg in der Ukraine 


Auch am Sonntag finden in Berlin wieder Demonstrationen gegen den Krieg in der Ukraine statt. 

Um 14 Uhr beginnt auf dem Bebelplatz eine für 500 Menschen angemeldete Kundgebung unter dem Motto: „Für eure und  unsere Freiheit. Aufruf zur Solidarität mit der Ukraine“. Die Peter- Weiss-Stiftung für Kunst und Politik organisiert die Veranstaltung, bei der live oder zugeschaltet zahlreiche namhafte Wissenschaftler, Schriftsteller und Künstler sprechen werden. 

Ein Auszug aus der Rednerliste: Karl Schlögel, Gerd Koenen, Wolf Biermann, Ai Weiwei, Mario Vargas Llosa, Swetlana Alexijewitsch, Kateryna Mishchenko, Katja Petrowskaja, Navid Kermani, Timothy Garton Ash. Die Veranstaltung soll bis 17 Uhr dauern, es ist auch ein Livestream angekündigt, Infos unter literaturfestival.com/aktuelles.

Bereits um 13.30 Uhr beginnt eine Demonstration unter dem Motto: „Stop Putin – Stoppt den Krieg“ vor der Russischen Botschaft (Unter den Linden 63-65), 300 Menschen sind angemeldet.

Die Staatsoper Berlin veranstaltet am Sonntag um 11 Uhr ein Benefizkonzert zugunsten humanitärer Hilfen für Ukrainer:innen. Daniel Barenboim dirigiert. Es ist ausverkauft, wird aber live übertragen auf www.staatsoper-berlin.de. (Sylvia Vogt) 

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Mehr als 1000 Menschen demonstrieren vor russischer Botschaft

In Berlin demonstrieren am Sonntag erneut Menschen gegen den Krieg in der Ukraine. Vor der russischen Botschaft protestieren nach Angaben der Berliner Polizei deutlich über 1000 Menschen unter dem Motto: „Stopp Putin – Stoppt den Krieg“. Angemeldet waren etwa 300 Menschen. 
Zu der Kundgebung am Bebelplatz unter dem Motto „Für eure und unsere Freiheit. Aufruf zur Solidarität mit der Ukraine“ fanden sich bis Sonntagnachmittag laut Polizei etwa 250 Menschen einKanzler Scholz besucht Solidaritätskonzert für Ukraine 
Die Berliner Staatsoper hat mit einem Konzert ein Zeichen gegen den Krieg in der Ukraine gesetzt. Mit einer Schweigeminute erinnerten die Gäste am Sonntagmittag an die Opfer und Leidtragenden des Konflikts. „Ich bin wahrscheinlich nicht der einzige, der geglaubt hat, dass der Zweite Weltkrieg der letzte Krieg in Europa war“, sagte Dirigent Daniel Barenboim.

Sie alle seien bewegt vom Mut und der Entschlossenheit der Ukrainer, die ihr Land und ihre Freiheit heroisch gegen die grausame Invasion einer Übermacht verteidigten. „Aber es ist noch mehr als das“, sagte Barenboim. Die Ukrainerinnen und Ukrainer würden „auch unsere Freiheit“ verteidigen.

Zu dem Konzert kamen unter anderem Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD), Finanzminister Christian Lindner (FDP), Bundesbankpräsident Joachim Nagel und die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde.

Auf dem Programm standen die ukrainische Nationalhymne sowie Sinfonien von Schubert und Beethoven. Die Einnahmen des Konzerts sollten an den Ukraine Humanitarian Fund (UHF) der Vereinten Nationen gehen.

Barenboim erinnerte zu Beginn auch an seine Großeltern, die aus Belarus und der Ukraine gekommen seien. „Sie flohen Anfang des 20. Jahrhunderts vor antisemitischen Pogromen nach Argentinien.“ Er habe sich – wie wahrscheinlich die meisten Menschen in Europa – nicht träumen lassen, dass es hier nach dem Zweiten Weltkrieg nochmal einen solchen Konflikt geben könnte.

Barenboim sagte auch, er wolle davor warnen, „dass wir in die Falle laufen, alle Russinnen und Russen jetzt unter Generalverdacht zu stellen“. „Russische Kultur ist nicht das gleiche wie russische Politik.“ Die Politik müsse man laut und deutlich verurteilen und sich eindeutig davon distanzieren. Aber man dürfe keine Hexenjagd auf russische Menschen und Kultur zulassen. Aufkommende Verbote und Boykotte beispielsweise von russischer Musik oder Kultur weckten in ihm allerschlimmste Assoziationen. (dpa)

Kundgebung auf dem Bebelplatz

Die Solidaritätskundgebung auf dem Bebelplatz in Berlin Mitte hat am späten Sonntagmittag begonnen. Der ukrainische Autor und Musiker Yuriy Gurzhy, der 1975 in Charkiw zu Welt kam und seit 1995 in Berlin lebt, las zu Beginn aus seinem Tagebuch, das im Tagesspiegel erscheint. Darin erzählt Gurzhy, wie er von hier aus den Krieg in der Ukraine verfolgt.

Freiwilliges Angebot: Kriegsflüchtlinge können nun mit Bussen in andere Bundesländer fahren 
 

Ab Sonntag 11 Uhr sollen Busse vom Berliner Hauptbahnhof Geflüchtete aus der Ukraine in 13 andere Bundesländer fahren. Das teilte die Berliner Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales am Sonntag auf Twitter mit. Das Angebot beruht demnach auf einer Entscheidung des Bundesinnenministeriums, nur Bayern und Hamburg sind offenbar ausgenommen. Das Angebot richtet sich an Geflüchtete, die „kein festes Ziel“ in Deutschland haben und ist freiwillig. Eine Registrierung ist offenbar nicht nötig.  

 

Noch am Sonntagmorgen drängte Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey erneut auf Unterstützung der Bundesregierung. „Wir kommen zunehmend an unsere Grenzen“, sagte Giffey im ZDF-„Morgenmagazin“. Sie forderte eine bundesweite Organisation und Verteilung von Geflüchteten. Zudem verwies Giffey auf eine Entscheidung der Europäischen Union (EU) vom vergangenen Donnerstag. Die EU habe am Donnerstag über den Aufenthaltsstatus der Kriegsgeflüchteten aus der Ukraine entschieden, damit verbunden sei das Arbeitsrecht. 
 

„Das muss jetzt in dieser Woche dringend in Bundesrecht umgesetzt werden, damit die Menschen, die hierher kommen, eben nicht nur verteilt, untergebracht und erstversorgt werden, sondern damit auch klar ist: Sie haben eine geschützte Bleibeperspektive für einen bestimmten Zeitraum – und sie haben das Recht zu arbeiten“, forderte Giffey. 

 

Am Sonnabend erreichten nach Angaben des Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) erneut mehr als 11.000 Kriegsflüchtlinge Berlin. 720 von ihnen habe der Krisenstab der Integrationsverwaltung und des LAF untergebracht. Bereits am Freitag kamen mehr als 11.000 Geflüchtete in der Hauptstadt an. Ursprünglich hatte das Land mit 10.000 Flüchtlingen gerechnet. (mit dpa)  

 

 

 

Senat bereitet sich auf mehr unbegleitete Minderjährige vor 

Der Berliner Senat will die Kapazitäten für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge ausbauen. Das teilte ein Sprecher der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie am Samstag mit. Zugleich bereite man sich darauf vor, Angebote für ukrainische Waisenkinder für längere Zeit vorzuhalten.
Derzeit gebe es in Berlin bereits rund 100 Plätze, an denen unbegleitete Minderjährige ankämen und „engmaschig sozialpädagogisch betreut“ würden, hieß es. Hinzu kämen zwei Clearing-Einrichtungen mit 40 Plätzen. Staatssekretär Aziz Bozkurt (SPD) sei derzeit im Austausch darüber, wie sich die Kapazitäten kurzfristig erhöhen ließen.
Man stelle sich auf andere, jüngere Altersgruppen ein als beispielsweise im Jahr 2015. In der aktuellen Krise kämen nun insbesondere auch Waisen- und Heimkinder, die formalrechtlich keine unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge seien, weil sie mit Betreuerinnen und Betreuern ankämen. „Hier wollen wir eine Gruppenlösung sicherstellen und werden auch die Unterkunftskosten tragen“, sagte der Sprecher.
Er betonte, besonders wichtig sei der Schutz der Kinder: So habe die Verwaltung begonnen, Infomaterial in Bahnhöfen auszulegen, damit die Minderjährigen ohne Begleitung schnell in die Erstaufnahmestelle gelangen könnten. Auch mit der Polizei sei man im Austausch. (dpa)

Berliner Stadtmission bittet darum, keine Sachspenden mehr anzugeben

Die Berliner Stadtmission bittet darum, am Hauptbahnhof keine Sachspenden mehr für Geflüchtete aus der Ukraine abzugeben. Das teilte die Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales auf Twitter mit. Der Grund ist offenbar, dass ausreichend Sachspenden vorhanden sind und die Sortierung zu viel Zeit kostet, die für die Betreuung der Menschen benötigt wird. Auch ehrenamtliche Helfer sollen heute nicht mehr zum Berliner Hauptbahnhof kommen. Es seien mehr als ausreichend Helfer dort, sagte ein Sprecher der Integrationsverwaltung dem Tagesspiegel. (nle/jb) 

Berliner Senat hat in einer Woche 5000 Flüchtlinge untergebracht

Innerhalb weniger Tage hat der Berliner Senat 5000 Flüchtlinge aus der Ukraine in landeseigenen Unterkünften, bei sozialen Trägern oder in angemieteten Hotels untergebracht. Das sagte ein Sprecher der Sozialverwaltung am Samstag dem Tagesspiegel. 
Tausende weitere Menschen seien in Privatwohnungen untergekommen von Helfern oder bei Bekannten. Wie viele genau, ist unklar, weil Menschen aus der Ukraine sich grundsätzlich frei in Deutschland bewegen können und es keine Meldepflicht für sie gibt. Geschätzt kamen aber allein am Freitag 11.000 Menschen an, teilte die Sozialverwaltung mit.
Im Krisenstab des Senats wird davon ausgegangen, dass sich die Zahl der täglich ankommenden Menschen in den kommenden Tagen weiter steigern wird. Eine Entspannung der Lage ist nicht zu erwarten. 

11.000 Geflüchtete am Freitag angekommen – Unterbringung auch in Kirchen

Die Erwartungen des Senats zur Ankunft von Flüchtlingen aus der Ukraine in Berlin sind am Freitag erneut übertroffen worden. Ursprünglich hatte das Land mit 10.000 Flüchtlingen gerechnet. Nun waren es am Freitag sogar mehr als 11.000, wie die Sozialverwaltung am Samstagmorgen mitteilte. Demnach haben der Krisenstab und das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten 1100 von ihnen bis in die Nacht staatlicherseits untergebracht.
Neben Hostels seien auch auch zwei Kirchen dafür genutzt worden – die Verwaltung dankte dafür den Gemeinden. An der Aufnahmeeinrichtung des Landes in Reinickendorf erhöhen Zelte die Kapazitäten. Ein Großteil der Flüchtlinge kommt derzeit bekanntlich privat oder, einige reisen von Berlin auch weiter. 

Flüchtlingssituation spitzt sich zu – Zelte an Erstaufnahmeeinrichtung in Reinickendorf

In Berlin spitzt sich die Lage durch die steigende Zahl von Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine weiter zu. Nachdem am Donnerstag 6000 Menschen und am Freitag zunächst 10.000 Menschen angekommen waren, wurden am Abend weitere 1500 erwartet.
Um die Menschen versorgen und ihn eine Unterkunft bieten zu können, sollten noch am Freitagabend bei der Erstaufnahmeeinrichtung Berlins in Reinickendorf Zelte aufgestellt werden. Das erfuhr der Tagesspiegel aus Senatskreisen. 

Demnach soll ein Bezirksamt in Amtshilfe die Zelte aufstellen, auch das Technische Hilfswerk (THW) und das Deutsche Rote Kreuz (DRK) wurden angefordert. (Alexander Fröhlich)

FEZ Wuhlheide startet Sammelaktion und lädt geflüchtete Familien ein

Berlins größtes Freizeitzentrum für Kinder und Jugendliche, das FEZ Wuhlheide (Treptow-Köpenick), will geflüchtete Familien unterstützen. Familien aus der Ukraine, die das FEZ an den kommenden Wochenenden besuchen möchten, erhalten kostenfreien Eintritt, teilte die Einrichtung am Freitag mit.
Das FEZ stelle auch FFP2-Masken zur Verfügung. Als Nachweis soll der beim Besucherservice im FEZ-Palast vorgelegte Personalausweis oder Reisepass gelten.
Am langen Wochenende, also von diesem Sonnabend bis zum Frauentag am Dienstag, läuft im gerade wiedereröffneten FEZ das Event „Einfach Spielen!“ mit Angeboten für Kinder von zwei bis zwölf Jahren: „An verschiedenen kleinen Stationen mit ausreichend Platz und Abstand“ sollen sowohl drinnen als auch im Freien „liebevoll gestaltete Angebote zum Basteln, Bauen, Lümmeln und gemeinsamen Spielen“ bereitstehen, hieß es. Außerdem errichtet das FEZ eine Sammelstation für Hilfsgüter: Spenden würden von Samstag bis Dienstag jeweils von 11-14 Uhr und von 15-18 Uhr angenommen. Gebraucht würden:

  • Decken, Schlafsäcke, 
  • Feuchttücher, Windeln,
  • Taschenlampen, Batterien,
  • Riegel, Nüsse, Kekse mit langer Haltbarkeit
  • Medikamente, vor allem Paracetamol, Ibuprofen, auch Erkältungs- und Beruhigungsmittel sowie Pflaster, Desinfektionsmittel, Verbandsmaterial
  • vollgeladene Powerbanks, aber keine Kleidung und kein Mobiliar

Restaurant in Berlin-Mitte organisiert Hilfstransporte

Schnelle Hilfe aus dem Kiez: Um das georgische Restaurant „KIN ZA“ in Mitte hat sich eine Helfernetzwerk gebildet. Schon lange ist das Restaurant ein Anlaufpunkt für Osteuropäer:innen in Berlin. Jetzt organisiert der Restaurantbetreiber, der im Kiez als Herkules bekannt ist, Hilfstransporte in die Ukraine. Im Restaurant und an Sammelpunkten werden Hilfsgüter eingesammelt und dann zu Bedürftigen gebracht. Bereits vier Lkw haben Güter an die ukrainische Grenze oder weiter in die Stadt Lemberg gebracht. Über Kontakte ins Land bekommen die Helfer:innen Bedarfslisten. Auch die Waldorfschule Mitte hilft in dem Netzwerk, eine ukrainische Lehrerin organisiert dort viel. Die Kinder sortieren in der Schule Hilfsgüter und beschriften Kartons auf Russisch.

„Bei uns kann jeder und jede mithelfen“, sagt Helfer Bernd Schönberger. Die Hilfe habe sich sehr schnell und unbürokratisch organisiert: „Wir arbeiten hier auf Vertrauensbasis.“ Ob Transporterfahrer:innen, Geld- oder Sachspenden, jede Hilfe werde benötigt. „Aber bitte denkt nach, was Menschen in einer solchen Situation wirklich brauchen.“ Windeln oder Tampons seien sehr viel angebrachtere Sachspenden als etwa ein Massageöl. Vor allem Medikamente wie Schmerzmittel würden gebraucht. Mehr Informationen zur Aktion gibt es auf der Facebookseite von KIN ZA.

Berlin und der Ukraine-Krieg : Mehr als 1000 Menschen demonstrieren vor russischer Botschaft

Kinder im ukrainischen Lemberg haben ein Hilfspaket aus Berlin-Mitte erhalten.   Bild: Ukraine in Not

Traumatisch für die jüdische Bevölkerung

Die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas engagiert sich seit Jahren in der Ukraine. Wir haben mit Stiftungsdirektor Uwe Neumärker und Mitarbeiterin Svetlana Burmistr gesprochen. Der Angriffskrieg traumatisiere erneut die jüdische Bevölkerung in der Ukraine, sagen sie.

Senat rechnet mit 10.000 Flüchtlingen allein am Freitag

Sozialsenatorin Katja Kipping (Linke) rechnet mit einem weiteren Anstieg der Flüchtlingszahlen in Berlin. „Was wir bisher an Ankunftszahlen haben, ist die Spitze des Eisbergs“, sagte Kipping am Freitagnachmittag bei einer Klausur der Linken-Abgeordnetenhausfraktion. Sie kritisierte die Bundesregierung dafür, die Zahl der aus der Ukraine flüchtenden Menschen schwer unterschätzt zu haben.

Allein am Freitag rechnet Kipping mit bis zu 10.000 Menschen, die Berlin per Zug und Bus aus den umkämpften Gebieten in der Ukraine erreichen werden. Kipping kündigte an, in der kommenden Woche ein Messezelt vor dem Hauptbahnhof zu errichten. So soll das an seiner Kapazitätsgrenze arbeitende Ankunftszentrum des Landsamtes für Flüchtlingsangelegenheiten in Reinickendorf entlastet werden. Kipping dankte den vielen Hundert ehrenamtlichen Helfer:innen, die unter anderem am Hauptbahnhof bei der Versorgung, Betreuung und Unterbringung der geflüchteten Menschen unterstützen. 

„Ich bin unendlich dankbar für die Willkommensstrecken der Ehrenamtler“, sagte Kipping und erklärte, aktuell würden mehr Hilfsangebote eintreffen, als benötigt wurden. „Es wird noch ganz ganz viele Wochen geben, wo wir euch brauchen werden“, sagte Kipping in Richtung der ehrenamtlichen Helfer:innen. Sie lobte das Klima im Senat und berichtete von einem „sehr ausgeprägten Willen, an einem Strang zu ziehen.“

Giffey fordert bundesweite Verteilung der Ukraine-Flüchtlinge -Züge könnten umgeleitet werden

Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey hat erneut ein enges Zusammenwirken von Bund und Ländern bei der Aufnahme der Ukraine-Flüchtlinge gefordert. „Viele kommen in Berlin an, aber wir brauchen eine bundesweite Verteilung der Geflüchteten, um das bewältigen zu können“, schrieb die SPD-Politikerin am Freitag auf ihrer Facebook-Seite.

Nach Tagesspiegel-Informationen laufen auch Verhandlungen mit der Deutschen Bahn über das Umleiten von Zügen in andere deutsche Städte, weil jeden Tag mehr Flüchtlinge in Berlin ankommen. Allein am Donnerstag kamen rund 6000 mit Zügen. Dazu unzählige mehr mit Bussen und privaten Pkw.
Zugleich begrüßte Giffey die am Donnerstag erzielte Einigung der EU-Staaten, die Kriegsflüchtlinge schnell und unkompliziert aufzunehmen. „Das heißt: Sie haben Aufenthaltsrecht und werden Arbeitsrecht bekommen, mit Anspruch auf Sozialleistungen“, sagte die Berliner Regierungschefin dem Nachrichtenportal „The Pioneer“. Der Bund müsse jetzt eine bundesweite Verteilung und Koordinierung sicherstellen.
„Es kommen viele hoch qualifizierte Leute. Es kommen Menschen, die können gut Englisch, teilweise auch Deutsch“, so Giffey. Deutschland brauche Fachkräfte. Viele Branchen suchten gerade Beschäftigte. „Das ist eine Chance. Deshalb muss man das zusammenbringen.“ Es gehe darum, dass die Menschen, „wenn sie länger bleiben, schnell in Arbeit kommen“. (dpa)

Flüchtlingsrat dringt auf bessere medizinische Versorgung 

Der Berliner Flüchtlingsrat dringt auf rasche und unkomplizierte Lösungen bei der medizinischen Versorgung geflüchteter Menschen aus der Ukraine. „Wir bekommen sehr viele Anfragen dazu“, sagte Sprecherin Martina Mauer am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. „Ein Dach über dem Kopf zu haben, ist die eine Sache. Aber viele der Ankömmlinge sind auf Medikamente, aufwendige Behandlungen wie Dialyse oder auf Pflegeleistungen angewiesen.“
Hier seien noch viele ganz praktische Fragen offen. Das gelte auch für leistungsrechtliche Fragen, also die finanzielle Versorgung. „Man kann nicht davon ausgehen, dass alle genug Bargeld dabeihaben.“
Mauer verwies auf komplizierte Zuständigkeitsregelungen, die auch abhängig von der Frage seien, ob die Geflüchteten privat oder beim Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten untergekommen seien. Die Gesundheitsversorgung und Gewährung von Leistungen zum Lebensunterhalt sei eigentlich Sache der Bezirke, die das aber wegen der großen Zahl von Kriegsflüchtlingen voraussichtlich kaum stemmen könnten.
Da langwierige Antragsverfahren jetzt der falsche Weg seien, müsse das Landesflüchtlingsamt in Amtshilfe für die Bezirke zentral und unbürokratisch organisieren, forderte Mauer. „Das ist eine gesamtstädtische Aufgabe.“ Die Geflüchteten wie die Helferinnen und Helfer müssten dazu auch besser informiert werden, regte sie an.
Insgesamt laufe bei der Aufnahme der vielen Menschen aus der von Russland angegriffenen Ukraine in Berlin auch einiges gut, schätzte Mauer ein. „Es ist natürlich eine Situation, die uns alle ein stückweit überfordert.“ Überwältigend und beeindruckend sei die große Hilfsbereitschaft in der Stadt.
Allerdings sieht Mauer bei der Unterbringung von Geflüchteten durch fremde Privatleute problematische Punkte. „Ich bin skeptisch, wenn alleinreisende Frauen mit Kindern bei Wildfremden unterkommen.“ Hier seien Schutzmechanismen nötig. (dpa)

Weiter große Hilfsbereitschaft für Ukraine-Flüchtlinge in Berlin

Die Hilfsbereitschaft für Geflüchtete aus der Ukraine ist in Berlin weiterhin ungebrochen. „Die Berlinerinnen und Berliner sind wirklich so hilfsbereit, dass uns das sehr berührt“, sagte eine Sprecherin der Stadtmission am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Die Spendenbereitschaft sei so groß, dass eine Einrichtung zur Unterbringung der Geflüchteten am Freitag darum gebeten habe, zunächst keine Sachspenden mehr vorbeizubringen.

Davon berichtete auch die Geschäftsführerin des Vereins „Moabit hilft“, der seit Jahren geflüchtete Menschen in Berlin unterstützt. „Die Solidarität übertrifft meines Erachtens sogar die Solidarität 2015“, sagte Diana Henniges. Es kämen so viele Spenden an, dass fast gar nicht mehr alle für die Geflüchteten genutzt werden könnten. Die überschüssigen Sachspenden werden dann beispielsweise an die Obdachlosenhilfe weitergegeben.
Auch in anderen Bereichen ist die Hilfsbereitschaft laut der Sprecherin der Berliner Stadtmission überwältigend. Menschen stünden beispielsweise stundenlang am Hauptbahnhof, um Geflüchteten einen Schlafplatz in den eigenen vier Wänden anzubieten. „Die Hilfsbereitschaft erstreckt sich auf alle Bereiche. Also, dass Leute ihre Wohnungen öffnen, ihren privatesten Bereich, das hat mich selber auch erstaunt“, sagte die Sprecherin.
Die Ankunft und Unterbringung der Geflüchteten ist nach ihrer Einschätzung sehr gut organisiert. Die Sprecherin zeigte sich zuversichtlich, dass die Strukturen in den nächsten Tagen weiterhin „professionalisiert und etabliert“ werden. „Dann wissen auch alle noch besser, wie es geht. Hier lernt jeder von Tag zu Tag, wie es besser gemacht werden kann, und dann funktioniert in ein paar Wochen alles reibungslos.“
Henniges wünscht sich von der Berliner Politik eine bessere Kommunikation auch zur Optimierung der Organisation. „Das Kommunizieren auf Augenhöhe fehlt. Redet mit uns – wir wissen wie es geht.“
Berlin ist „der große Dreh- und Angelpunkt“ für ukrainische Flüchtlinge – so hat es die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey formuliert. Und die Zahl der Geflüchteten, die in der Hauptstadt ankommen, steigt weiter. Bei den ursprünglich erwarteten 20.000 wird es nach Einschätzung von Sozialsenatorin Katja Kipping (Linke) wohl nicht bleiben. (dpa)

In Brandenburg bereits 700 Plätze für Ukraine-Flüchtlinge angeboten

Bereits mehr als 240 Anfragen mit angebotenen 700 Unterbringungsplätzen für Ukraine-Flüchtlinge sind bislang beim Brandenburger Integrationsministerium eingegangen. Vor allem Privatpersonen meldeten sich bei der am Mittwoch geschalteten E-Mail-Adresse, sagte Ministeriumssprecher Gabriel Hesse am Freitag auf Anfrage. Im Schnitt handele es sich um drei Unterkunftsplätze.
Die Angebote werden nach den Angaben an die jeweiligen Landkreise und kreisfreien Städte weitergeleitet, die die Unterbringung vor Ort koordinierten. Die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung sei überwältigend, hieß es. Sehr viele Menschen wollten helfen, spendeten Geld oder folgten Spendenaufrufen von Hilfsorganisationen und Initiativen. (dpa)

Bildungsverwaltung bereitet Willkommensklassen für Flüchtlinge vor

Der Berliner Senat will so schnell wie möglich Willkommensklassen für geflüchtete Kinder und Jugendliche aus der Ukraine schaffen. „Die Vorbereitungen laufen auf vollen Touren. Hierzu sind wir mit den bezirklichen Schulämtern und den Schulen in enger Abstimmung“, sagte ein Sprecher der Bildungsverwaltung am Freitag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.
Auch beginne die Suche nach Lehrkräften vor allem im Fach Deutsch als Fremdsprache. Überlegt werde zudem, wie geflüchtete ukrainische Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher als Muttersprachler womöglich eingebunden werden könnten.
Einzelne junge Geflüchtete könnten direkt in Regelklassen integriert werden, erläuterte der Sprecher weiter. „Ansonsten ist es das Ziel, geflüchtete Kinder und Jugendliche möglichst zügig wenigstens teilweise in Regelklassen zu integrieren – beginnend mit Fächern wie Sport, Musik oder Kunst.“ Zudem bereite sich die Bildungsverwaltung sehr konkret auf die Aufnahme von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen und Waisenkindern aus der Ukraine vor.
Fachleute gehen davon aus, dass junge Menschen aus der Ukraine ein gutes Bildungsniveau haben. Viele sind durch das Erlernen einer Fremdsprache bereits gut geübt mit dem lateinischen Alphabet. 
In Berlin gibt es zurzeit laut Bildungsverwaltung noch etwa 540 Willkommensklassen. Darin werden 6100 Schülerinnen und Schulen beschult. „Die Klassen sind damit zum großen Teil ausgelastet“, sagte der Sprecher der Bildungsverwaltung. 
In den kommenden Tagen sollen deshalb gezielt Stellen für weitere Willkommenslehrer ausgeschrieben werden. Vor allem Menschen mit ukrainischen Sprach-Kenntnissen werden dafür gesucht. (jb/dpa) Senat errichtet großes Hilfezelt für Ukrainer am Hauptbahnhof

Der Berliner Senat will die Ankunft ukrainischer Kriegsflüchtlinge am Hauptbahnhof zentral koordinieren. „Wir sind dabei, ein Messezelt auf dem Washingtonplatz zu errichten, was in der kommenden Woche eröffnet wird und für alle Menschen, die am Hauptbahnhof ankommen, zur Verfügung steht“, sagte ein Sprecher der Sozialverwaltung dem Tagesspiegel am Freitag. 

Senatorin Katja Kipping (Linke) nannte es „ein großes Ukraine-Ankunftszentrum“. In dem Zelt sollen die Menschen, „die eine schwere, bedrohliche Flucht hinter sich haben“, erst einmal „kurz ankommen“, „verschnaufen“ und Informationen sammeln, bevor es weitergehe zum Ankunftszentrum in Reinickendorf und den Unterkünften, sagte Kipping am Freitag in einer Videobotschaft. In dem Zelt am Bahnhof werde es auch eine medizinische Strecke geben, die Impfungen anbiete. 

Bestenfalls soll das Zelt schon Anfang nächster Woche eröffnet werden, sagte der Sprecher. Auch Container sollen dort errichtet werden. Es werde Verpflegung geben, Beratungsangebote, einen Warteraum und die Busabfahrten werden von dort koordiniert. Zudem werde das Deutsche Rote Kreuz da sein, der Senat, die Stadtmission und die Bahnhofsmission. Bisher waren es vor allem ehrenamtliche Helfer:innen, die die Menschen am Bahnhof in Empfang genommen haben.

Kipping dankte den Helfer:innen am Freitag: „Diese Ehrenamtlichen haben Großartiges geleistet und ich bin sehr, sehr dankbar dafür.“ Sie hätten den Info-Point im Bahnhof „aus dem Boden gestampft“. „Mir ist auch bewusst“, sagte Kipping, „dass wir als Land Berlin jetzt mehr Verantwortung übernehmen müssen für die Situation am Hauptbahnhof.

Auch den Mitarbeiter:innen aus der Verwaltung dankte die Senatorin. Deren Arbeit sei zwar nicht so sichtbar und nicht so gut mit Kameras einzufangen. Aber: „Die arbeiten von Anfang an mit Hochdruck daran, neue Unterkünfte zu erschließen, die Verpflegung zu organisieren, medizinische Notversorgung zu organisieren.

Dank richtete die Linken-Politikerin auch an die Deutsche Bahn, die von Anfang an mitgeholfen habe, und der BVG, die die Menschen mit Shuttlebussen zu den Unterkünften bringen. 

„Die Kinder sind da“: Waisen aus Odessa erreichen Berlin

Die Meldung, auf die viele gewartet hatten, wurde am Freitagmittag um kurz nach elf auf der Facebook-Seite des jüdischen Bildungszentrums Chabad Berlin veröffentlicht: „Die Kinder sind da“, stand dort in Großbuchstaben und mit drei Ausrufezeichen, ergänzt mit dem Symbol der ukrainischen Flagge und den aneinandergelegten Händen, die als Emoji für Gebet und Dank beliebt sind.
„Nach einer sehr langen und anstrengenden Reise durch am Ende insgesamt sechs Länder sind die 120 Waisenkinder aus der Ukraine endlich erschöpft, aber gesund bei uns in Berlin angekommen!“, heißt es weiter. „Wir sind unendlich glücklich und danken Hashem, dass er sie uns sicher hergebracht hat und danke allen unermüdlichen Helferinnen und Helfern, die das ermöglicht haben!“ Dabei stehen mehrere Fotos von Betreuern und Kindern – die meisten im Kita- und Grundschulalter, ein Baby im Kinderwagen, umsorgt von mehreren Erwachsenen.
Ursprünglich waren die Busse aus der Schwarzmeermetropole Odessa schon in der Nacht erwartet worden, aber sie hatten unterwegs stundenlang im Stau gestanden. Rund 48 Stunden waren sie unterwegs.

Chabad Berlin hatte zuvor die Allgemeinheit gebeten, die Kinder nach der langen Reise nicht am Bildungszentrum in Wilmersdorf zu erwarten, sondern ihnen Ruhe zu gönnen. Ihre Unterbringung und Versorgung für die nächsten Tage sei gesichert. Weitere Beiträge

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