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Austausch von Patienten und Forschungsexpertise : Teilen und heilen – Charité und Unfallkrankenhaus Berlin vereinbaren Kooperation

Forschen, austauschen, behandeln – Charité und UKB wollen zusammenarbeiten. Der Senat muss drängende Fragen zur Digitalisierung in den Kliniken beantworten.

Austausch von Patienten und Forschungsexpertise : Teilen und heilen – Charité und Unfallkrankenhaus Berlin vereinbaren Kooperation

Mediziner im Operationssaal des Zentrums für Schwerbrandverletzte mit Plastischer Chirurgie am Berliner Unfallkrankenhaus.Kitty Kleist-Heinrich

Die Charité und das Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) wollen Forschungserfolge schneller ihren Patienten zugutekommen lassen. Die Ärzte der landeseigenen Universitätsklinik sollen dazu enger mit den Medizinern am Marzahner UKB kooperieren – Charité-Chef Heyo Kroemer und UKB-Geschäftsführer Axel Ekkernkamp unterzeichneten am Mittwoch eine entsprechende Vereinbarung. In einigen Fächern werden demnach Aus- und Fortbildungen gemeinsam gestaltet.

Insbesondere in der Notfallmedizin sowie Hand-, Replantations- und Mikrochirurgie stimmen sich, so der Plan, die Ärzte der beiden Häuser ab. Patienten, die zunächst an der Charité diagnostiziert wurden, könnten von den Chirurgen des UKB operiert werden – beispielsweise, wenn es um Rückenmarksverletzungen geht, wo die Marzahner Mediziner bundesweit einen guten Ruf genießen. Umgekehrt böte sich an, am UKB aufgenommene Neurologiefälle in naher Zukunft an der Charité behandeln zu lassen, wo es auf diesem Feld große Expertise gibt.

Berlin könne als bedeutender Wissenschaftsstandort und Gesundheitsstadt noch gestärkt werden, wenn es eine Verzahnung verschiedener Expertisen gibt, sagte Gesundheitssenatorin Ulrike Gote (Grüne) am Mittwoch im UKB. Die aktuelle Vereinbarung ist Teil der zähen Bemühungen, aus Berlin eine Synergien erzeugende „Gesundheitsstadt 2030“ zu formen. Damit ist der Plan von Ex-Senatschef Michael Müller (SPD) gemeint, Berlin zur weltweit geachteten Forschermetropole auszubauen.

Wie berichtet sollen dabei neben der Charité die ebenfalls landeseigenen Vivantes-Kliniken eine Rolle spielen. Charité und Vivantes tauschen nun ihre Behandlungsdaten aus, die IT-Struktur beider Krankenhauskonzerne wurde 2021 angepasst. So soll „lebenswichtige Zeit“ gewonnen werden: Ärzte und Pflegekräfte könnten schneller auf Laborwerte zugreifen, um zu entscheiden, in welcher Einzelklinik der jeweilige Patient am besten versorgt wird.

Neues Zentrum für Gen- und Zelltherapie am Nordhafen

Erst vor zwei Wochen hatten Charité und die Pharmasparte von Bayer vereinbart, gemeinsam ein Zentrum für Gen- und Zelltherapie zu errichten. Mit der Expertise aus dem Zentrum sollen Forschungsergebnisse zügiger als bislang im Klinikalltag in die Praxis umgesetzt werden. Das Zentrum dürfte wohl neben der Bayer-Zentrale am Nordhafen entstehen. Noch allerdings gibt es bau- und wettbewerbsrechtlich einiges zu klären.

Und auch mit Blick auf die in Deutschland ohnehin schleppende Digitalisierung, also die elektronische Verarbeitung von Patientendaten, drohen Schwierigkeiten. Das Berliner Krankenhausgesetz schreibt grob vereinfacht vor, dass Patientendaten nicht außerhalb der jeweiligen Kliniken verarbeitet werden dürfen. Zwar gibt es für Forschungszwecke einige Ausnahmen – und bis zum Herbst gilt stadtweit ein Moratorium. Danach aber müssten die Krankenhäuser einen Server auf ihrem Areal betreiben.

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Das könnte funktionieren, erscheint aber in vielen Fällen schon im Sinne der Arbeitsteilung fragwürdig. Sensible Daten – also Diagnosen, Adressen, Versichertenstatus – dürften von externen IT-Spezialisten technisch wohl besser geschützt werden können. Die CDU will die Frage nach einem flexibleren Umgang mit den Krankenhausdaten im Abgeordnetenhaus besprechen; auch aus der Senatsgesundheitsverwaltung ist vage zu hören, man kenne das Problem.

„Wir sollten den entsprechenden Absatz im Krankenhausgesetz umgehend streichen, sonst haben unsere Kliniken international massive Nachteile“, sagte der Gesundheitsexperte der CDU-Fraktion, Christian Zander. „Zumal ja selbst die deutschen Krankenkassen externe IT-Dienstleister beauftragen dürfen. Warum nicht unsere Kliniken?“

Harmonischer scheinen derzeit die Charité und das UKB miteinander auszukommen. Die Vorstände beider Krankenhäuser haben sich bereits darauf verständigt, minimalinvasive Operationen an Gelenken eher an der Hochschulklinik und schwere Verbrennungen und komplexe Handverletzungen eher am UKB versorgen zu lassen. Zu überwinden ist allerdings noch Berlins traditionelle Fragmentierung. Charité-Vizechef Martin Kreis wies am Mittwoch vorsichtig darauf hin, dass die Berliner es gewohnt seien, sich im eigenen Kiez behandeln zu lassen. In Zukunft müssten sich die Patienten also daran gewöhnen, stationäre Versorgung über ihren Stadtteil hinaus zu denken.

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