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An ein Comeback dachte keiner : Erinnerungen an Abba-Besuche in Berlin und sehr persönliche Gespräche

Auch nach ihrem letzten Auftritt waren die Abba-Mitglieder in Berlin. Eine Tagesspiegel-Redakteurin erinnert sich an Gespräche über Schweden und die Liebe zur Kunst.

An ein Comeback dachte keiner : Erinnerungen an Abba-Besuche in Berlin und sehr persönliche Gespräche

Dancing Kings and Queens. Am 2. Februar 1977 traten Abba in der Deutschlandhalle in Berlin im Rahmen ihrer Deutschland-Tournee…Foto: Chris Hoffmann/dpa

Die beiden großen „B“s in Abba, Björn Ulvaeus und Benny Andersson, hatten auch nach ihrem großen Auftritt in den 70er Jahren eine gute Beziehung zu Berlin. Stockholm ist ja auch nicht so weit weg. Als 2007 das Musical „Mamma Mia“ vom begeisterten Premierenpublikum im Theater am Potsdamer Platz gefeierte wurde, waren Björn Ulvaeus und Anni-Frid Reuss live dabei.

Vor sechs Jahren erfüllte sich der langjährige Berlinale-Fan Benny Andersson einen alten Traum. Gemeinsam mit Sohn Ludvig kam er zur Premiere des gemeinsam produzierten Films „The Circle“, der im Generationen-Kino 14plus präsentiert wurde. Bei den Vorbereitungen für die Aftershow-Party, die im Politbüro im Soho-Haus stattfinden sollte, trafen wir ihn zum Gespräch. Ludvig hatte seine deutsche Freundin und spätere Ehefrau Milana Schoeller dabei, die ihre Werke auch schon in Berlin ausgestellt hat.

„Wir sind beide kreativ, aber ich verstehe mehr von Finanzen als er“, sagte Benny Andersson, der auch den Soundtrack geschrieben hatte. Mit einem Etat von fünf Millionen war der Film ein Low-Budget-Projekt. Aber beiden hat es offensichtlich großen Spaß gemacht, auf neuem Terrain zu arbeiten – zumal sie sich ganz offensichtlich richtig gut verstanden.

Sein Vater sei der am härtesten arbeitende Mensch, den er kenne, sagte Ludvig. Unter anderem machte er sich damals um die schwedische Volksmusik verdient, schrieb Polkas und Walzer für den Tanz um den Mittsommernachtsbaum und trat auf mit seinem „Orkester“.

An ein Comeback dachte keiner : Erinnerungen an Abba-Besuche in Berlin und sehr persönliche Gespräche

Abba-Gründer Benny Andersson und sein Sohn Ludvig, der ebenfalls Musik macht. Die beiden zeigen auf der Berlinale ihren Film „The…Foto: Thilo Rückeis

Ein bisschen überraschend wirkte seine grundsolide Aura. Jeden Morgen gehe er um zehn Uhr ins Büro und bleibe bis 17 Uhr, erzählte er. In der Zeit schreibe er auch seine Musik. Auch die anderen ehemaligen Abba-Musiker schauten dort gelegentlich vorbei, schließlich waren alle immer noch befreundet. Vom Mittsommernachtsbaum erzählte er gerne, von den zehn Wochen, die er jeden Sommer in seinem Haus am Rande der Schäre verbrachte und zwar seit damals schon vierzig Jahren. Der Vater liebte es, mit dem Boot heraus zu fahren, der Sohn fischte gern.

Das klang nach „Ferien auf Saltkrokan“, und ein bisschen erinnerten die beiden auch an Protagonisten aus einem Astrid-Lindgren-Buch. Beide outeten sich als Fans der Schriftstellerin. „Kinder verstehen sie, aber sie haben auch Tiefe, vieles handelt vom Tod, von elternlosen Kindern, von sozialer Ungerechtigkeit“, begründete Benny Andersson, der damals schon Großvater von fünf Enkelkindern war, seine Vorliebe.

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Vater Benny empfand es „als großen Luxus“, mit dem eigenen Sohn gut zusammen zu arbeiten. Das Geschäft spielte für die beiden nur eine Nebenrolle. Das Schönste daran, einen Film selbst zu finanzieren, sei die Tatsache, dass einem absolut niemand reinreden könne“, sagte Benny Andersson damals. Unabhängigkeit war ihm immer wichtig. Die frühen Erfolge haben sie möglich gemacht. Zu Kopf gestiegen waren sie ihm offensichtlich nicht.

An ein Comeback dachte keiner : Erinnerungen an Abba-Besuche in Berlin und sehr persönliche Gespräche

Björn Ulvaeus und Anni-Frid Reuss im Oktober 2007 vor dem Theater am Potsdamer Platz in Berlin. Hier feierte das Abba-Musical…Foto: Rainer Jensen/dpa

Einen ähnlich gefestigten Eindruck machte Björn Ulvaeus, als wir ihn im Vorfeld der großen Berlin-Premiere des Musicals „Mamma Mia“ 2007 in Stockholm trafen. Vom Habitus erinnerte er mit der schwarzen Jeans, dem dunklen Jackett, dem grau-weiß gestreiften Hemd mit dem schneeweißen Kragen und seiner silbernen Brille eher an einen freundlichen, aber auch Respekt gebietenden Lehrer als an einen Pop-Star. Dass er damals schon einer der erfolgreichsten Pop-Musiker der Welt war, ließ er sich nicht anmerken.

Im Vorfeld der Musical-Produktion hatte es lange Diskussionen gegeben, ob man die Songs überhaupt übersetzen könnte und sollte. Allerdings hatte Björn Ulvaeus in der Schule Deutsch gelernt. Nachdem Michael Kunze die Rohfassungen übersetzt hatte, feilte er selbst so lange an den deutschen Fassungen der Lieder, bis sie auch aus seiner Sicht wirklich saßen.

Immer wieder habe er sie sich selbst auch auf Deutsch vorgesungen und hier und da was geändert, erzählte er. Als Perfektionist nahm er sich gerne viel Zeit. Am Ende war die deutsche Version seine Lieblingsvariante.

An ein Comeback dachte keiner : Erinnerungen an Abba-Besuche in Berlin und sehr persönliche Gespräche

Zur Premiere des Abba-Musicals kamen Anni-Frid Reuss und Björn Ulvaeus 2007 nach Berlin.Foto: Rainer Jensen/dpa

Damals musste er immer wieder dem Vorurteil entgegenwirken, die Geschichte habe irgendwas mit Abba zu tun. Die Geschichte von Abba sei sehr langweilig, sagte er 2007 noch. Darüber würde es nie ein Musical geben. Das wollten die anderen auch nicht.

Obwohl sich beide Paare kurz vor Abbas Ende Anfang der 80er Jahre hatten scheiden lassen, gab es weiterhin private Kontakte, zusätzlich zu der Zusammenarbeit der beiden Männer. Anni-Frid, die von Benny Andersson geschieden war, hatte sogar Geld in das Musical investiert. Mit der eigenen Ex-Frau Agnetha Fältskog kam Björn Ulvaeus regelmäßig zu den Geburtstagen der gemeinsamen Enkelkinder und auch Weihnachten zusammen.

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Endlich ist es soweit, das Comeback. Beim Event „Abba Voyage“ im Hotel „nhow Berlin“ wurde vor Fans das neue Album und eine…Foto: Jens Kalaene/dpa

An ein Comeback mochte er damals aber überhaupt nicht denken. „Wir hatten acht Jahre, in denen wir hart gearbeitet und unser Bestes gegeben haben. Wir waren auf dem Gipfel“, resümierte er. Er habe gar keine Sehnsucht mehr nach der Bühne: „Es ist besser, in einem Zimmer zu sitzen und die Songs zu schreiben, die andere singen. Ich vermisse nichts.“ Das hat sich offensichtlich geändert.

Später erwähnt er mal den Kick, den man in dem Moment erfährt, in dem man erkennt, dass ein Lied wirklich gelungen ist: „Das ist richtig, richtig gut.“ In dem Moment flackerte doch etwas auf von Sehnsucht. Anders als so viele Größen der Popmusik haben die Abbas ihre Lieder losgelassen, als die auf dem Höhepunkt waren. Jetzt kehren sie zu ihnen zurück. Und vielleicht kommen sie demnächst nicht mehr als Filmproduzent und Premierengäste in die Stadt. Sondern grüßen von der Bühne wie damals, als die Welt noch jung war.

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