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Am Sonntag ist Halbmarathon in Berlin : Mehr Respekt für Freizeitläufer!

Dass der Halbmarathon oft als etwas für Freizeitsportler betitelt und gering geschätzt wird, demotiviert unsere Autorin. Ein Kommentar.

Am Sonntag ist Halbmarathon in Berlin : Mehr Respekt für Freizeitläufer!

Der Halbmarathon gilt als etwas für Freizeitläufer, dabei sind schon 21 Kilometer eine große Leistung.Foto: Gregor Fischer/dpa

Während man in Kneipen oder in Philosophieseminaren darüber streiten kann, ob ein zur Hälfte gefülltes Glas halb voll oder halb leer ist, gibt es diesen Interpretationsspielraum im Sport nicht. Da ist „halb“ etwas für die, bei denen es für „ganz“ nicht reicht. Das zeigt sich besonders am Halbmarathon – auch wenn es genau genommen weitere Beispiele gar nicht gibt (oder hätte man jemals von Halb-Grand-Slam oder Halb-Super-G gehört?), aber das gehört ja mit zur Geringschätzung der halbierten Leistungsanforderung.

Halbmarathon also. An diesem Sonntag wieder in Berlin, zum 40. Mal schon. Beim Halbmarathon wird die Hälfte der Marathonstrecke von 42,1 Kilometern gelaufen. Das sei – so steht es nachzulesen – vor allem eine Strecke für „Freizeitläufer“, was ebenfalls schrecklich herablassend klingt. Warum hat diese Sprache bloß keine angemessenen und wertschätzenden Begriffe für Menschen, die etwas nach normalmenschlichen Maßstäben sehr gut, aber eben nicht supermanmäßig herausragend können.

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Das ist doch furchtbar und am Ende gar demotivierend. Jedenfalls, wenn man – wie die Autorin dieser Zeilen – zwar in der Pandemie die Joggerei angefangen hat und mehrmals wöchentlich im Schweiße seines Angesichts seine Runden dreht, aber es im Leben nicht für vorstellbar hält, auch einen Viertel- oder auch nur einen Sechstel-Marathon zu absolvieren.

Anders gefragt: Wenn diejenigen, die an diesen Sonntag zu Tausenden die 21-Komma-noch-was-Distanz im anhaltenden Laufschritt absolvieren, bloß „Freizeitläufer“ sind, was sind dann wir anderen alle, die wir uns bei unseren regelmäßigen Runden fragen, ob wir heute vielleicht mal die fünf Kilometer schaffen, bevor das Knie zwickt oder die Hüfte quietscht, oder ob drei nicht doch genug sind (man hat ja noch Arbeit zu erledigen und keinen Physio, der einem den Rest des Tages die Waden massiert).

Ja, was sind wir bitteschön? Freizeitläufer – was gefühlt stimmen könnte – geht ja nicht. Das sind ja die heldenhaften Halbmarathonies. Und wir? Hoppelhasen?

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Die anspruchsvolle Laufdistanz-Kategorisierung erinnert an den Reitsport, wo die Leistungsklasse A für Anfänger meist erst erreicht ist, wenn man mehrere Jahre lang unter peinlich genauer Anleitung reiten gelernt hat. Wer schlechter ist, reitet in der Klasse E wie Einsteiger, die im Grunde gar keine Klasse ist, sondern Herumgeplumpse auf einem bedauernswerten Pferd. Das ist eben Reitsport, zu dessen Schnösel-Image anspruchsvoller Leistungselitarismus passt.

Aber Laufen? Der Volkssport für alle, niedrigschwellig, günstig, machbar?

Wie wäre es, wenn Ausdauercracks des Jubiläums-Halbmarathons in Bausch und Bogen zu Leistungssportlern erklärt werden. Und wir Kanalufer-Jogger dürfen uns an ihrer Stelle künftig Freizeitläufer nennen? Dann wäre die halbe Strecke des XXL-Marathons gefühlt auch nicht länger die XXS-Version – sondern immer noch heroisch XL.

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