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Aller Kritik zum Trotz : RTL prüft Fortsetzung von „Die Passion“

Selig sind die Unverzagten: Die Quote nicht überragend, das Echo eher verhalten, aber RTL ist dennoch zufrieden mit den Essener Osterspielen.

Aller Kritik zum Trotz : RTL prüft Fortsetzung von „Die Passion“

Jesus Christus (Alexander Klaws, links vorn) in der Gewalt von Pontius Pilatus (Henning Baum). RTL führt „Die Passion“ als…Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Rein von der TV-Quote her gesehen, ist Jesus Christus im Fernsehen kein Superstar. Das RTL-Spektakel „Die Passion“ über die Leidensgeschichte des Erlösers sahen am Mittwochabend nach Senderangaben 2,91 Millionen Zuschauer, was einem Marktanteil von 11,1 Prozent entspricht. Zum Vergleich: Im Jahresdurchschnitt 2021 kam der Kölner Privatsender auf eine Quote von 10,1 Prozent.

Für den werbefinanzierten Sender noch wichtiger: In der Zielgruppe der 14- bis 59-Jährigen lag die Quote mit 14,6 Prozent noch höher und reichte in dieser Gruppe auch für den Tagessieg auf diesem Sendeplatz.

In den Sozialen Medien ist der Hashtag #DiePassion hingegen selbst am Morgen nach dem Live-Event auf dem Burgplatz von Essen noch das bestimmende Thema – wenngleich mit einem vorwiegend negativen Tenor.

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Die Kommentare auf Twitter reichen von „Ein Fest für Fremdscham“ und „Werbeveranstaltung für Kirchenaustritte“ über „Die 11. Plage“ und „Deutsches Squid Game“ bis zu „Schlimmster Tatort, den ich je gesehen habe“ und „Bravo Foto-Lovestory“. Jan Böhmermann kündigt an, beim Amtsgericht den Austritt bei RTL einzureichen.

[Für sieben Tage ist „Die Passion“ im Streamingportal RTL+ kostenlos abrufbar.

DWDL-Kritiker Thomas Lückerath findet bei aller Kritik auch etwas positives am TV-Experiment von RTL: „In einer Fernsehlandschaft, in der so viel belanglose Füllmasse produziert wird, die so furchtbar egal geworden ist, möchte ich lieber mehr Wahnsinn wie diesen sehen als Mehr vom ewig gleichen.“

Fladenbrot fürs Abendmahl

Fladenbrot von Nelson Müllers Dönerstand für das Abendmahl, ein Judas über den Dächern von Essen und ein Jesus, der von Thomas Gottschalk als Influencer angekündigt wird – mit aller Macht wollte RTL die letzten Tage im Leben von Jesus Christus als eine zwar große, aber doch auch beliebige Geschichte erzählen, die jederzeit auch so in der Gegenwart spielen könnte. Mehrfach wurde betont, dass in Essen kein Hochamt, sondern ein TV-Event stattfindet, und das hier niemand mit gefalteten Händen unterwegs sei“.

Mit einem Ex-DSDS-Gewinner Alexander Klaws, der bereits im Musical „Jesus Christ Superstar“ den Messias gesungen hat, aber in „Die Passion“ jedwedes Charisma vermissen ließ. Hinzu kam, dass Gil Ofarim als Jünger dem Bild von Jesus Christus erheblich näher kam als Alexander Klaws, was zu ständiger Verwechselungsgefahr führte.  

Fortsetzung nicht ausgeschlossen

Und dann verzichtete RTL noch darauf, den dramatischen Höhepunkt der Handlung – die Kreuzigung – tatsächlich nachzuempfinden. Dabei ist die Ursprungsidee des niederländischen Vorbilds „The Passion“, die im Nachbarland schon zwölf Mal aufgeführt wurde, bestechend. In einer Umfrage hatten die Holländer festgestellt worden, dass nicht einmal jeder Dritte wusste, was in jenen fünf Tagen vor beinahe 2000 Jahren passierte, die zumindest die europäische und die amerikanische Kultur bis heute geprägt hat. Den Kritikern könnte man in diesem Sinne zurufen: Essen ist nicht Oberammergau und RTL nicht Arte.

Das sieht man offenbar auch bei RTL so. „Mit „Die Passion“ haben wir uns etwas getraut. Das gab es so noch nicht im deutschen Fernsehen und das Publikum hat unseren Mut belohnt“, erklärte RTL-Geschäftsführer Henning Tewes am Donnerstag und kündigte an: „Darüber freuen wir uns sehr und prüfen derzeit eine Beauftragung für das kommende Jahr.“

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