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Afrikanische Schweinepest erreicht Nordosten : Landwirte in Mecklenburg-Vorpommern müssen 4000 Schweine töten

Ende 2020 erreicht die Afrikanische Schweinepest Brandenburg und Sachsen. Nun tritt sie nahe Rostock auf. Tierschützer sprechen von politischem Versagen.

Afrikanische Schweinepest erreicht Nordosten : Landwirte in Mecklenburg-Vorpommern müssen 4000 Schweine töten

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) wurde nun erstmals in Mecklenburg-Vorpommern nachgewiesen.Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist erstmals bei einem Hausschweinebestand in Mecklenburg-Vorpommern aufgetreten. Wie das Bundeslandwirtschaftsministerium in Berlin mitteilte, wies das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) die Tierseuche am Montag in Proben nach.

[Lesen Sie dazu auch auf tagesspiegel.de: Afrikanische Schweinepest bedroht Brandenburger Bauern (T+)]

Zuvor waren demnach vermehrt Todesfälle bei Mastschweinen in dem Betrieb in der Region Rostock aufgetreten. Alle Tiere des Bestands müssen nun getötet und nach Ministeriumsangaben „unschädlich beseitigt“ werden.

Laut dem Deutschen Tierschutzbund handelt es sich dabei um 4000 Tiere. Thomas Schröder, Präsident des Tierschutzvereins, nannte die Situation in Mecklenburg-Vorpommern am Dienstag eine „Katastrophe mit Ansage, für die Tiere, aber auch für die Tierhalter“.

Demnach hätte die Politik die Schweinepest ebenso ernst wie die Corona-Pandemie behandeln und gleichermaßen viel Geld in die Impfstoffforschung investieren müssen. Stattdessen seien lediglich Zäune gebaut und Wildschweine gejagt worden. 

Scharfe Kritik an Landwirtschaftspolitik

Zudem warf Schröder Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) fehlende Empathie und mangelnde Reflexion der eigenen Verantwortung vor: „Auch jetzt schiebt das Bundeslandwirtschaftsministerium die Verantwortung weg und verweist auf die Schweinepest-Verordnung in der Zuständigkeit der Länder.“ Es gebe lediglich die Anweisung, die Tiere zu beseitigen, so Schröder. 

Bisher hatte es in Mecklenburg-Vorpommern keine Fälle von ASP gegeben, weder bei Wildschweinen, noch bei Hausschweinen. Fälle der Schweinepest waren seit September 2020 in Brandenburg bei Wild- und Hausschweinen und in Sachsen bei Wildschweinen aufgetreten.

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„Wir Tierschützer sind fassungslos. Das inkonsequente Handeln der Politik kostet jetzt 4000 Schweinen in Mecklenburg-Vorpommern das Leben. Die Folgen werden alle Schweinebestände treffen“, sagte Kerstin Lenz, Vorsitzende des Deutschen Tierschutzbunds Landesverband Mecklenburg-Vorpommern am Dienstag.

Es gelte jetzt zu verhindern, dass weitere Massenkeulungen als präventive Maßnahme angeordnet werden. „Tötungen dürfen erst dann die Ultima Ratio sein, wenn der ASP-Ausbruch tatsächlich bestätigt ist“, so Lenz weiter.

„Alarmsignal für eine Agrarwende“

Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) hatte bereits am Montag an die schweinehaltenden Betriebe appelliert, unbedingt die Biosicherheitsmaßnahmen etwa bei Betriebsabläufen oder der Reinigung und Desinfektion „auf höchstem Niveau“ einzuhalten.

Afrikanische Schweinepest erreicht Nordosten : Landwirte in Mecklenburg-Vorpommern müssen 4000 Schweine töten

Till Backhaus (SPD), Agrarminister von Mecklenburg-Vorpommern, bei einer Pressekonferenz zum ersten Fall von Afrikanischer…Foto: Jens Büttner/dpa

Greenpeace-Landwirtschaftsexperte Dirk Zimmermann bezeichnete den Ausbruch in Mecklenburg-Vorpommern als „Tragödie für die Tiere und die betroffenen Menschen“.

Deutschland sei mit mehr als 25 Millionen Tieren heute „Schweineland“. Dass nun größere Schäden und Tierleid drohten, habe „auch mit agrarpolitischen Fehlentscheidungen zu tun, mit dem Druck auf die Landwirt:innen, die Intensivtierhaltung auszubauen, um international wettbewerbsfähig zu werden“.

[Lesen Sie zudem: Drei neue Virentypen und eine neue These – Die Schweinepest als mögliche Mit-Ursache der Corona-Pandemie (T+)]

Die Schweinepest sei „ein Alarmsignal für eine Agrarwende“, das die Verhandlerinnen und Verhandler der Ampel-Koalition „nicht überhören sollten“, forderte der Greenpeace-Landwirtschaftsexperte. „Es wäre fatal, weiter auf die massenhafte Produktion von Billigfleisch zu setzen, mit einer Haltung, die Tiere krank macht, der Natur wie dem Klima schadet und das Seuchenrisiko erhöht.“

Afrikanische Schweinepest für Menschen ungefährlich

Der agrarpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Stephan Protschka, forderte, damit der „gesamtdeutsche Schweinebestand nicht noch weiter gefährdet wird“, müsse die noch amtierende Bundesregierung die ASP „sofort als Bedrohung von nationalem Ausmaß anerkennen“.

Eine weitere Ausbreitung könne „nur mit dem Bau von Schutzzäunen, einer verstärkten Bejagung von Schwarzwild sowie der strikten Einhaltung von Biosicherheitsmaßnahmen auf den Betrieben“ gestoppt werden. Nötig seien zudem schnelle Hilfen des Bundes für die betroffenen Schweinehalter.

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Das Landwirtschaftsministerium in Schwerin teilte am Dienstag mit, um den betroffenen Betrieb nahe Rostock seien eine Schutzzone im Radius von drei Kilometern und eine Überwachungszone im Radius von zehn Kilometern eingerichtet worden. Oberstes Ziel sei es nun, eine Verschleppung des Virus in andere Schweinebestände und in den Wildschweinbestand zu verhindern.

Landwirtschaftsminister Backhaus erklärte, es werde nun mit Hochdruck daran gearbeitet, „die Einschleppungsursache festzustellen“. Zudem erneuerte er seine Forderung an den Bund, mit allen verfügbaren Ressourcen die Entwicklung eines Impfstoffes gegen die ASP voranzubringen.

ASP ist eine Virusinfektion, die für Wild- und Hausschweine meist tödlich endet. Für Menschen ist die Krankheit hingegen ungefährlich. Übertragen werden kann sie durch direkten Kontakt zwischen Tieren oder indirekt über kontaminierte Gegenstände wie beispielsweise Schuhe oder auch weggeworfene Lebensmittel.

Laut Thomas Schröder ist die Afrikanische Schweinepest „ein weiterer Beleg für ein Haltungssystem, das durch politisches Nichthandeln vor die Wand gefahren wurde“. (mit AFP)

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