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100 Projekte und Initiativen für Klimaschutz : Wie 30 Unternehmen aus Berlin und Brandenburg sich für die Klimaneutralität aufstellen

Das Klima verbessern – nicht nur im Unternehmen: Die Wirtschaft in der Region zeigt, wie sie den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid jetzt schon verringert.

100 Projekte und Initiativen für Klimaschutz : Wie 30 Unternehmen aus Berlin und Brandenburg sich für die Klimaneutralität aufstellen

Kabeldiagonale. Im Westteil Berlins zwischen der Rudolf-Wissel-Brücke und dem Umspannwerk Mitte baut das Unternehmen 50Hertz einen…Foto: Woelfing/50Hertz

Es gibt sie, die Aussicht auf eine ressourcensparende Zukunft in der Wirtschaft. Zumindest wenn man dem Bestreben dieser Unternehmen Glauben schenkt. Das Netzwerk „CEOs for Berlin“, in dem sich seit dem Jahr 2019 rund 150 wirtschaftliche Akteure aus Berlin und Brandenburg zusammengetan haben, will bei der Gestaltung dieser Zukunft mitwirken – und auch in der Politik mitsprechen.

Das Forum hat am Mittwoch eine Broschüre herausgegeben, die Beispiele für Klimaschutz in der Hauptstadtregion gesammelt hat. Mehr als 30 Unternehmen stellen darin rund 100 Vorhaben und Initiativen vor, die dem Zweck dienen, den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid zu verringern.

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Die Sammlung zeige, dass die beteiligten Unternehmen bereits damit begonnen hätten, eine langfristig ausgelegten Agenda zum Schutz des Klimas umzusetzen, sagte Michael Knoll, Leiter für politische Grundsatzfragen im Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI). Gerade vor den beginnenden Koalitionsverhandlungen wollen die Unternehmen mit Blick auf die Klimapolitik der Zukunft nach ihren Erfahrungen gefragt werden.

Berlin will – wie auch der Rest der Bundesrepublik – bis 2045 klimaneutral werden. Das heißt, dass bis dahin die CO2-Emissionen um 95 Prozent gesenkt werden müssen. Laut einer neuen Studie im Auftrag der Senatsumweltverwaltung wäre dies machbar, wenngleich ein großer Kraftakt.

Denn: Führt man in Zukunft nur die im vergangenen Jahrzehnt erreichten CO2-Einsparungen in Berlin linear fort, würde nicht einmal im Jahr 2050 Klimaneutralität erreicht, sondern noch deutlich später. Es müsste künftig also noch einiges passieren. Das sehen die Berliner Unternehmen offenbar genauso. Verstärkte Anstrengungen seien „unbedingt nötig“, heißt es in der Broschüre.

Auch BMW, DB Cargo und Deutsche Wohnen sind dabei

Unter der Überschrift „Gemeinsam für eine klimaneutrale Metropolregion“ stellen sie nun darin auch dar, warum sie sich für den Klimaschutz stark machen. Die in der jetzt veröffentlichten Broschüre geführten Beispiele illustrieren, wie Unternehmen in Berlin und Brandenburg die Energiewende angehen. In Abschnitten wie Energie, Verkehr, Dienstleistungen, Wohnen, Industrie und Handel finden sich kleine und große Player vertreten, darunter BMW, DB Cargo und Deutsche Wohnen. Einige von ihnen sind dabei, sich selbst als klimaneutral aufzustellen, während andere Produkte entwickeln, die zur Klimaneutralität verhelfen sollen.

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Von großer Bedeutung sei dabei die Verzahnung der Angebote, sagt Jörg Ritter, Senior Adviser beim Beratungsunternehmen Egon Zehnder und Initiator des Netzwerks. Um den Erfolg zu erhöhen, müssten die Akteure ihre Kräfte bündeln. Ein Manko: Wie viel Kohlenstoffdioxid allein durch die vorgestellten Vorhaben bisher eingespart worden ist, lässt sich kaum beziffern.

So will Stromnetzanbieter 50Hertz bis zum Jahr 2032 den gesamten Stromverbrauch in seinem Gebiet zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien decken; im Moment liegt dieser Anteil bei rund 60 Prozent. Dafür setze das Unternehmen unter anderem auf Offshore-Windkraft und führe Gespräche mit Kollegen aus Dänemark über Litauen, sagt der Vorsitzende der Geschäftsführung, Stefan Kapferer.

Doch erst einmal will 50Hertz die Kapazitäten schaffen und baut die so genannte Kabeldiagonale aus. Das weitgehend unterirdisch verlaufende Netz ist die Energie-Hauptschlagader Berlins. „Indem wir sie im Westteil der Stadt erneuern und verstärken, sichert sie auch in Zukunft die Versorgungssicherheit“, heißt es. Die Stromtragfähigkeit der Leitung soll damit von 1600 auf 2500 Ampere erhöht werden. Damit kann sie mehr grünen Strom in der Hauptstadt transportieren als die bestehende Leitung aus den 1970er Jahren.

Der Hintergrund: Weil der Strom vor allem aus den Kraftwerken in der Nähe kam, waren die alten Leitungen nicht dafür geschaffen, große Mengen an Strom zu übertragen. Das ändert sich nun. Den Strom, der in der Berliner Energieversorgung aktuell sieben Prozent ausmacht und zu 45 Prozent aus erneuerbaren Quellen stammt, wird in Berlin importiert – er muss den Weg dafür teilweise über weite Strecken schaffen, ohne die Leitungen zu überlasten.

Vattenfall Wärme Berlin AG will bis 2030 zwei Millionen Tonnen CO2 einsparen

Auch Vattenfall Wärme Berlin AG kooperiert dabei mit 50Hertz. Vattenfall setzt für den Klimaschutz auf Fernwärme. Der Konzern ist im Heizkraftwerk Reuter aus der Braun- und Steinkohle ausgestiegen – und hat zudem in Lichterfelde und Marzahn zwei Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen gebaut. Bis 2030 will das Unternehmen auch an den Standorten Moabit und Reuter West den Einsatz von Steinkohle beendet haben. Geplant ist, dass „fossilfreies Heizen und Duschen“ künftig selbstverständlich werden, erläutert Vorstandsvorsitzende Tanja Wielgoß.

Ein ambitioniertes Ziel: Momentan ist der gesamte Wärmemarkt fossil dominiert. „In Deutschland sind wir bei 90 Prozent plus“, sagt Wielgoß. Doch drei verschiedene Szenarien seien darauf angelegt, sich davon freizumachen. Zunächst aber will Vattenfall Wärme bis zum Jahr 2030 zwei Millionen Tonnen CO2 einsparen und damit „den größten Einzelbeitrag zur Erreichung der Reduktionsziele des Landes Berlin leisten“, sagt Wielgoß. Mit der Wärme bekomme auch die Immobilienwirtschaft ein wirkungsvolles Instrument an die Hand, damit „die sehr ehrgeizigen Klimaziele des Gebäudesektors“ erreicht werden könnten.

Das in der zweiten Generation geführte Familienunternehmen Lat Gruppe gehört mit 130 Beschäftigten zu den kleineren Mittelständlern und bietet Produkte und Dienstleistungen „rund um das Gleis“ sowie für Bus und Bahn an. Lat statte ihre Gebäudedächer mit emissionsfreier Solartechnik aus, belohne Teams und Bautrupps für den verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen und unterstütze gewähre den eigenen Beschäftigten, die selbst Bus und Bahn nutzten, einen Fahrkostenzuschuss, heißt es. Das Unternehmen unternimmt vergleichsweise zahlreiche Schritte, um die Umwelt zu schützen, von der vollständig papierlosen Verwaltung bis zur Umstellung des Fuhrparks auf nachhaltigen Antrieb.

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Das in der Broschüre dokumentierte Engagement für den Klimaschutz will die Berliner Wirtschaft „ausdrücklich auch als Dialogangebot an die künftigen politischen Entscheider Berlins“ verstanden wissen. „Der Blick auf die politische Realität in Berlin zeigt jedoch, dass ‚die Wirtschaft‘ und die Unternehmen der Stadt noch zu selten als Treiber des Klimaschutzes anerkannt werden“, hieß es noch in einer Resolution von Anfang September. Die politischen Bedingungen seien unzureichend.

Unter anderem überbordende Bürokratie, technologische Vorbehalte, sich ständig ändernde Regularien sowie langsame und starre Verwaltungsprozesse machten den Weg zur klimaneutralen Stadt beschwerlich. Jetzt fordern die Akteure die Politik auf, „mutige“ Voraussetzungen dafür zu schaffen, „die eine nachhaltige, innovations- und wachstumsorientierte Energiewende fördern, statt sie auszubremsen“.

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